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Alle Farben gehen zusammen in Eun-Me Ahns „Let Me Change Your Name“. Als dritte von links die Choreografin.

Wiesbaden

Mit einem bunten Achselzucken

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Die Koreanerin Eun-Me Ahn mit ihrem Ensemble zu Gast im Wiesbadener Staatstheater.

Im abwechslungsreichen Gastspiel-Programm des Hessischen Staatsballetts wurde es zuletzt besonders munter und bunt: das betraf die Bewegungssprache der koreanischen Choreografin Eun-Me Ahn, die das Hüpfen und Wirbeln liebt, das betraf außerdem die Schlauchkleider und langen Röcke in allen Farben, die von Männern wie Frauen des Ensembles getragen wurden. Denn in dem 75-minütigen Stück „Let Me Change Your Name“ geht es darum, den Blickwinkel auch auf Geschlechterzuordnungen zu verändern. Und überhaupt soll alles im Fluss bleiben, was es auf eindrucksvolle Weise tat.

Drei Tänzerinnen, drei Tänzer, plus die immer wieder zu eigenwilligen Interventionen, intrikaten Bewegungsmustern auf die Bühne kommende Choreografin sind unermüdlich – und das nicht nur beim Über- und Abstreifen des farbigen dünnen Stoffes. Mal ziehen sie sich bis auf die Unterhose aus, schlagen die Kleider wie trotzig auf den Boden. Mal ziehen sie dem Kollegen, der Kollegin eines dieser Stretch-Teile an oder aus. Plötzlich kommt das Ensemble ganz in Schwarz herein. Oder ganz in Weiß. Aber die Einfarbigkeit dauert nie lange.

Im Kleinen Haus des Wiesbadener Staatstheaters, wo Eun-Me Ahn mit ihrer Truppe jetzt gastierte, brauchte es keinen Bühnenbild-Aufbau, nur der Hintergrund wurde verschiedenfarbig bestrahlt. Insistierend und rhythmusbetont war durchgehend die Musik Young-Gyu Jangs, ein nervöser, manchen Zuschauer nervös machender Teppich. Den der Tanz aber gleichsam auflockerte.

Der Choreografin geht es um eine nicht abreißende Energie. In diesem Bewegungsstrom, der voller kleiner Strudel ist, gibt es keine Pausen, höchstens eine momentane Zurücknahme, ehe das Ensemble wieder neuen Schwung nimmt. Das Kantige steht dabei neben dem Putzigen – einem zierlich-koketten Trippeln und Hüftschwenken etwa, einem Achselzucken –, das kraftvolle Ausgreifen neben kessem Zupfen und Zerren am dehnbaren Kleid oder einer frechen Lässigkeit. Motive wiederholen sich in pfiffigen Abwandlungen, der Tanz ebbt und flutet, drängt und nimmt sich erneut zurück.

Eun-Me Ahn bedient sich bei Spielarten des modernen westlichen Tanzes, asiatisch angehaucht erscheint manche Variation der Choreografin selbst. Die Haltung ist eine spielerische, augenzwinkernde; immer wieder sind die Arme Windmühlenflügel, immer wieder federt das ganze Ensemble wie Flummis, springt pfeilgerade in die Luft. Es mag um das ernste Thema Identität gehen, die Stimmung ist dennoch durchweg eher heiter. Und das Ensemble von einer hinreißend souveränen Ausstrahlung.

Eun-Me Ahn schloss mit ihrer Company einen kleinen Korea-Schwerpunkt des Staatsballetts ab, Südkorea natürlich, das Land verfügt über eine spannende und professionelle Tanzszene, die Werke von beträchtlicher Eigenwilligkeit hervorbringt. Das belegt auch konstant der alljährliche Choreografenwettbewerb der Ballettgesellschaft Hannover. Freilich hat der Erfolg auch mit Förderung zu tun. Das Programmblatt erwähnt die freundliche Unterstützung dreier kultureller Institutionen Koreas.

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