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Philippe Quesnes Gestrandeten geht eigentlich gar nichts ab.

Theater in Frankfurt

„Crash Park“ im LAB Frankfurt: Eine Insel mit einem Berg

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Und mit einer Disco: Philippe Quesnes fideles Stück „Crash Park“ im Frankfurt LAB.

Bis auf einen kleinen Hund, der einfach auf dem Schoß seines Herrchens sitzt, was sicher gegen die Beförderungsvorschriften verstößt, ist das eine ziemlich typische Urlaubsflieger-Truppe. Leute lesen, dösen, suchen sich ein Getränk aus ... aber man ahnt, dass das nicht gut ausgehen wird, wenn in dem Video zur Schnäpschen und Likörchen kippenden Flugzeug-Besatzung geschaltet wird. Dann tragen einige der Darsteller auch schon ein wolkenumflossenes (Boeing?)-Modell durch das dunkle Frankfurt LAB – und dann krabbelt eine Schar Abgestürzter und Gestrandeter aus dem Flugzeugwrack.

Der französische Theatermacher Philippe Quesne ist auf Einladung des Mousonturms wieder einmal in der Stadt, das Haus ist Koproduzent des gut anderthalbstündigen „Crash Park“. „Das Leben einer Insel“ lautet der Untertitel, das „auf“ scheint man absichtlich weggelassen zu haben, denn eine auch nur im Ansatz realistische Gestrandeten-Geschichte à la Robinson Crusoe ist das nicht. Vielmehr wartet im Inselinneren eine Disco mit Lightshow, Platten, Plattenspieler, einem Skelett, mit dem man aus Jux tanzen kann. Eine aus der Truppe öffnet eine Bar.

Quesne ist ein Bilder- und ein Breitwand-Künstler, das bisschen Text, das in seinen Stücken gesprochen wird, ist vernachlässigbar. In seinem „Crash Park“ wachsen nun Palmen in den Himmel, dampft Nebel, plätschert Wasser (tatsächlich ist die Bühne ein Bassin), dazu gibt es bombastische Musik (Pierre Desprats), die jedem Kinomelodram Ehre machen würde. Später stimmen die Darsteller Vangelis-Filmmusik an, „The Conquest of Paradise“. Sie tanzen kleine Soli, Teile der Vegetation schwenkend. Noch später erklingt Frank Sinatras „Fly Me To the Moon“, während sich die Insel dreht und die Darsteller träumend in Schlafkojen liegen.

Von abgeklärter Heiterkeit und mit Spuren von Ironie sind die Stücke Philippe Quesnes zumeist. Tiefsinnig sind sie nicht. Wenn ein Riesenkrake auftaucht (kreisch, kreisch! machen die Akteure und rennen), dann wird er alsbald doch besiegt und dient als Snack. Ungerührt wirft man menschliche Körperteile aus dem Flugzeugrumpf. Der auch Badeschaum ausspuckt für einen weiteren fröhlichen Ringelreihen. Vergeblich wartet man darauf, dass „Crash Park“ auf irgendeinen inhaltlichen Punkt kommt. Das scheint dem Theatermacher so unwichtig zu sein, dass man es entweder zufrieden ist oder sich doch zu langweilen beginnt.

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