Oper Frankfurt

Das Ensemble Modern macht die Frankfurter Opfer zur Blumenwiese

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In Frankfurts Oper widmet sich das Ensemble Modern diesmal dem Komponisten Georg Friedrich Haas

Einer, der den „poetischen Zugang zur Musik“ sucht ist Georg Friedrich Haas, dem in der Reihe Happy New Ears nun ein Porträtkonzert gewidmet war. Der gebürtige Grazer versucht den Verlust von Tonalität auf seine Weise zu kompensieren, und schon ein Titel wie „Blumenwiese 2 für Schlagzeug solo“(2017/18) konnte einen Hinweis auf das ästhetische Konzept des 66-Jährigen geben. Klang als Landschaft, als eine vielgestaltige Welt „in der man sich wohlfühlt“.

Verklanglicht in diesem Fall durch das gesamte Arsenal des Schlagzeugs, das Haas lieber „Klangzeug“ genannt sehen möchte. Ein bukolischer, ja pastoraler Zug herrscht da vor, stimmungsvoll, wenngleich nicht nur harmlos, denn „Lawine und Gewitter“, wie Moderator Bernhard Günther meinte, geben sich da durchaus ebenso ein Stelldichein wie zarte, beruhigte Wald- und Wiesenstücke, die auf dem tonhöhenfixierten Klangzeug sogar ein alpenländisches Idiom ahnen ließen.

„Blumenwiese“ sei „repräsentativ für den Haas-Stil“ – so der Komponist, der sein Vorgehen als ein Begängnis von einer topografischen Manifestation zur anderen ohne weitergehendes Ordnungskriterium versteht. Eine Parcours-Ästhetik, könnte man sagen, die den Zuhörer mit assoziativen Räumen konfrontiert.

Oper Frankfurt: Natur-affine Klangbilder in der Großstadt

Nach dem natur-affinen Klangbild, dem Rainer Römer in Frankfurts Opernhaus als Solist in bewunderswerter Stringenz und Differenz alles gab, kam „Anachronism für Ensemble“ (2013) zur Aufführung, wo Sylvain Cambreling das Ensemble Modern leitete. Das Werk ist während eines Aufenthalts von Haas an der Columbia University in New York 2013 entstanden und stellt ein gigantisches, metrisches Staccato dar. Eine Art stahlharter Antwort auf den lockeren und tänzerischen Duktus des New Yorker und kalifornischen Minimalismus.

Durchgehämmerte Motorik, in der die Ensemble-Modern-Musiker auf brillante Weise die Fortissimo-Kaskade in ihrer ständigen tonlichen Umfärbung sich bewegen ließen.

Zuletzt „framing...“ (2018), wo Georg Friedrich Haas den Verlust der tonalen Rhetorik durch dramatisierte Formen zu ersetzen sucht. Eine Klangaffektendramaturgie in Abstaktion, wo Schemata der Klage, des Ausbruchs und Seufzens in lautgestischen und akkordischen Fragmenten wieder aktiviert werden sollen. Dabei wurde klar, dass Haas besser mit Klängen als mit Worten umzugehen weiß, nutzt er das Werk doch, um darüber einen Monolog zur aktuellen Lage in seinem Heimatland und im Mittelmeer zu sprechen. Sätze wie „man muss nicht KZs bauen, es geht auch anders“ waren dazu angetan, alte demagogische Sprachmuster auf beklemmende Weise im ästhetischen Diskurs wieder aufleben zu sehen.

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