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„Ein Satz zu viel“ in der Komödie Frankfurt: Das ist ihnen halt so passiert

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Von: Sylvia Staude

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„Ein Satz zu viel“: Gaspard tut sich leid, Clemence nimmt es leicht. Foto: Helmut Seuffert
„Ein Satz zu viel“: Gaspard tut sich leid, Clemence nimmt es leicht. © Helmut Seuffert

Ein junges Stück, tolerant ohne Verbissenheit: Eric Assous’ „Ein Satz zu viel“ in der Frankfurter Komödie.

In der Frankfurter Komödie gab es jetzt Grund, sich an einen Satz zu erinnern, den die Mutter der Kritikerin dem Vater gern mit leisem Triumph, aber allemal im Scherz sagte: „Dass das Kind von mir ist, weiß ich genau ...“. Clemence, seit kurzem bereits Großmutter, rutscht im Zorn etwas ähnliches heraus, nämlich dass Sohn Lucas ja etwas mehr ihrer sei. Sofort wird Ehemann Gaspard misstrauisch – nicht zu Unrecht, wie sich herausstellen wird.

Um Untreue also geht es in der Komödie „Ein Satz zu viel“ des Franzosen Éric Assous (1956-2020), die Manfred Langner im richtigen Tempo inszeniert hat. Und da es ja keine Tragödie ist, geht es ebenso sehr um die Notwendigkeit des Verzeihens, um Toleranz und eine dauerhafte Liebe trotz des ein oder anderen Seitensprungs. Gaspard ist derjenige, dem das beigebracht werden muss, möchte er doch seinem (?) betrogenen Sohn gleich einen fabelhaften Scheidungsanwalt besorgen. Lucas heult zwar bei den Eltern ein wenig, na ja, eher ziemlich rum, ist aber überzeugt, dass seine Ehe zu retten ist.

Ein großbürgerliches Wohnzimmer mit Bücherregal, Blick ins Grüne und Bar-Bereich (oh ja, Leute trinken, wenn sie gestresst sind – und nicht nur dann) hat Bettina Neuhaus für die Komödien-Bühne entworfen. Monika Seidl zieht die vier plausibel und alltagstauglich an, die ältere Französin Clemence am schicksten. Und als eine Frau, die nie ganz aus der Rolle fällt – auch wenn sie ihren Sohn (fast) nie aussprechen lässt.

Sein Herz, sein Herz!

Saskia Valencia ist Clemence, die Stimme der Mäßigung und Vernunft. Steffen Laube zeigt als Gaspard schon fast eine Molièresche Figur in seiner hektischen Überreaktion, die sich mit Hypochondrie verbindet. Sein Herz, sein Herz, gleich wird er sterben! Clemence schenkt ihm ein Glas Hochprozentiges ein, das muss genügen. Doch Lucas, Mathias Renneisen, wird getröstet, sogar Schwiegertochter Manon, Marlene Zimmer – denn es kann schon mal passieren, dass man sich in einen anderen verguckt – und sei es ein sexy Maurer. Und während Gaspard es plötzlich verdächtig findet, dass das Enkelchen Roberto heißt und also keinen anständigen französischen Namen hat, findet Clemence es nur wichtig, dass sie einen munteren Enkel hat.

Man merkt, dass „Ein Satz zu viel“ (Orig. „Inavouable“) ein junges Stück ist, es wurde 2018 uraufgeführt. Es braucht keine sexistischen Witze, es schwingt die Fahne der Gleichberechtigung und Toleranz, dies aber ohne Verbissenheit. Und es enthält manchen nützlichen Tipp, zum Beispiel: Hinterlasse nie eine Rechnung, wenn du fremdgehst.

Komödie Frankfurt: bis 20. März. www.diekomoedie.de

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