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Oliver Maria Schmitt & Jürgen Kuttner mit „30 Jahre Deutsche Zweiheit“ im Mousonturm-Stream.
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Demokratie im Dialog

Ein ordentlicher Kapitalismus wäre fein

  • VonStefan Michalzik
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Jürgen Kuttner und Oliver Maria Schmitt über Deutsche Zweiheit im Mousonturm-Stream

Jürgen Kuttner ist, sagen wir: ein dialektisch geschultes Original. Wie so viele seiner Generation – Jahrgang 1958 -, die in der DDR aufgewachsen sind, lässt den Kulturwissenschaftler und einstigen Moderator beim DDR-Jugendradio DT64 der Osten nicht los. Im Gespräch mit Oliver Maria Schmitt, dem ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur, ging es via Livestream aus dem Frankfurter Mousonturm um „30 Jahre Deutsche Zweiheit. Ein Ost-West-Zwangsehestreit mit Nüsschen, Scherben und Musike“. Am Ende war auch die AfD ein Thema, vor allem aber war es eine Rückschau.

Kuttner ist bekannt als sagenhafter Turbosprecher, Schmitt darf die Stichworte geben, der berlinernde Kuttner fällt ihm ständig ins Wort, gefühlte 10 000 Wörter weiter darf Schmitt seine Frage zu Ende führen. Respekt, er bleibt am Ball. Nach einem lauen Geplänkel zum Einstieg wird es ein anregender Abend zwischen popkultureller Reflektion und gepflegtem Stammtisch/Entertainment. Über seine Arbeit am Theater hinaus ist Kuttner als Vorführer von Videoschnipseln beliebt. Dazu gibt es auch hier einiges, vor allem aus dem Schlager, der in Ost wie West das andere Deutschland eher unerwähnt ließ.

Eine Trennlinie zwischen Ost und West? Kurz nach der Wende schon, als er 1990 die Ostausgabe der „taz“ leitete, sagt Kuttner, habe er gemerkt, dass es vor allem eine „Arschlochlinie“ gebe: „Hier die okayen, da die Arschlöcher“. Kuttner wehrt sich gegen die „blöden Klischees“, dass im Osten alles schlecht, minderwertig und vorgestrig gewesen sei.

Gebrauchs- vs. Imagewert

West-Spottobjekt Trabi? In der DDR sei alles nicht so „warengetrieben“ gewesen, im Westen werde man, siehe Smartphone, „quasi kulturell gezwungen“, alle zwei Jahre ein neues Modell zu kaufen. Sinnvoller, so Kuttner, wäre eine Gesellschaft, in der es nicht um den Imagewert gehe, sondern um den Gebrauchswert. Da ist viel dran, allerdings auch an Schmitts Hinweis zum Trabi: „Zweitakter, stinkt wie Sau“.

Überzeugend in jedem Fall Kuttners Beispiel der AKWs: Gegen die habe er nichts, wenn die Betreiber sie bloß gegen die Unfallfolgen versichern müssten – worauf sich keine Versicherung einlassen könnte, oder die Prämien wären so hoch, dass niemand mehr AKWs würde betreiben wollen. „Ein ordentlicher Kapitalismus wär’ doch was Feines.“ Ein anderer als der unsere, in dem die Gewinne privat weggesteckt und die Kosten sozialisiert werden. Im Westen, wer wollte es bestreiten, steht nicht alles zum Besten. Keine Gründe, sich die DDR zurückzuwünschen. Aber auch keine für eine westliche Überheblichkeit.

Das Video ist buchbar bis 15. April. www.mousonturm.de

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