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Video-Still aus Maro Bigonzettis Beitrag „la Cigna“.
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Video-Still aus Maro Bigonzettis Beitrag „la Cigna“.

Tanz-Stream

„Dying Swans Project“: Variationen mit Schwan und Schaum

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Eric Gauthier lädt ein zum „Dying Swans Project“ und viele Tanzschaffende folgen seinem Ruf.

So wie „Schwanensee“ ikonografisch für das abendfüllende klassische Ballett steht, so ist Michel Fokines „Der sterbende Schwan“, choreografiert 1905 für die legendäre Anna Pawlowa, vermutlich das bekannteste Ballettsolo. Es dauert nur gut drei Minuten, bis die Ballerina sich niederlegt und ihre Arme/Schwingen auf dem Rücken faltet. Als Musik wählte Fokine das Cello-Solo „Le Cygne“ aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“. Alles ist hier feiner, leidender Ausdruck, bis in die Fingerspitzen, bis zum letzten Senken des Kopfes.

Eric Gauthier, Gründer und Chef des am Stuttgarter Theaterhaus beheimateten Ensembles Gauthier Dance, ist bestens vernetzt. Als er nun Kollegen und Kolleginnen um eine Variation auf den „Sterbenden Schwan“ bat, beteiligten sich 15 Choreografinnen und Choreografen am „Dying Swans Project“, darunter Constanza Macras, Bridget Breiner, Edward Clug, Mauro Bigonzetti, Dominique Dumais. Die, mit seinem, insgesamt 16 Video-Clip-Soli sind jeweils rund drei Minuten lang, von heute an sind sie als Stream abrufbar.

Wasser zerrt am Ärmel

Andonis Foniaddakis hüllt seine fast nackte Schwanenfrau großzügig in Nebel, Mauro Bigonzetti macht „la Cigna“ zur Schaumgeborenen bzw. in einem Fass mit Schaum Versinkenden. Die Niederländerin Nicki Liszta hat ihrer Tänzerin einen roten Pulli mit überlangen Ärmeln angezogen, sie hängen in einen munteren Bach. Kinsun Chan, in St. Gallen arbeitend, hat sich für nichts als weiße Stühle entschieden, zwischen denen seine Tänzerin in voluminöser schwarzer Hose expressiv ausgreift.

Überhaupt ist das etwas Hektische, Abrupte, Eckige der Stil der Wahl. Angespannte, fiebrig-intensive Bewegungen scheinen den meisten Choreografinnen und Choreografen angemessen für das Thema. Bei dem es ja in der aktuellen Situation auch um die Unmöglichkeit geht, den (Körper-)Kontakt zu pflegen mit anderen Tanzschaffenden aus aller Welt. Eindeutig benennt das Mannheims früherer Tanzchef Kevin O’Day: „We Were Many“ heißt sein von der Technik nostalgisch eingegilbtes Solo, in dem ein einsamer Tänzer Hut um Hut aufsammelt, bis er einen Hut-Turm auf dem Kopf hat – eine nicht nur symbolische Last, die er nicht allein tragen müssen sollte.

Itzik Galili lässt nur die aus einem üppigen Tutu ragenden Beine tanzen. Anita Hanke setzt ihren ziemlich lässig-jazzigen Schwan zwischen Leuchtstäbe. Edward Clugs ebenfalls männlicher Vogel flattert in einem Blecheimer stehend und beraubt sich selbst seiner Flugfähigkeit, indem er die Arme durch seine Feinripp- Unterhose schiebt.

Ins Freie sind einige der Mitwirkenden gegangen, das bringt nicht nur Abwechslung, sondern auch ein kleines Aufatmen, als könne man vor seinem Bildschirm selbst Luft holen. In Constanza Macras’ „all tomorrow’s parties“ wirft und springt sich eine ausgehfertige junge Frau durch einen Garten, zündet sich am Ende eine Zigarette an. Dominique Dumais lässt ihren Tänzer in herbstlicher Umgebung gegen ein Betonrund anrennen, immerhin scheint aber die Sonne. Virginie Brunelle nimmt eine nächtliche Fußgängerbrücke als Kulisse eines energischen Voran-Tanzens.

Gauthier nennt seinen Clip „Covid Cage“ und zeigt einen jungen Mann im fahrigen Dialog mit sich selbst oder anflatternd gegen ein Fenster. Am Ende aber stehen eine Umarmung und Hoffnung.

Die Videoclips sind kostenlos abrufbar ab heute, Freitag, 10 Uhr, auf dem Theaterhaus Stuttgart-YouTube-Kanal, dem Instagram-Kanal von Gauthier Dance sowie in der 3sat-Mediathek.

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