Gerlind Reinshagen

Die durchschimmernde Zeit

Die Erzählerin und Theaterautorin Gerlind Reinshagen ist gestorben.

Ihr Thema waren die Gegenwart und die langen Schatten der deutschen Vergangenheit, die das Dasein in der Bundesrepublik bestimmten. So beschäftigte sich Gerlind Reinshagen in ihren Werken mit dem Nationalsozialismus und den Nachkriegsjahren - nicht zuletzt, alles andere als selbstverständlich während der Jahre der prosperierenden Bundesrepublik, auch mit der Arbeitswelt.

Regisseur Claus Peymann brachte mehrere ihrer Texte auf die Bühne, darunter 1968 ihr erstes Stück „Doppelkopf“. Das Stück sei ein „großer Auftritt“ gewesen, sagte Peymann in einem Verlagsvideo von 2018. Damals sei es sehr ungewöhnlich gewesen, dass eine Frau ein Drama schreibe. Er habe eine Reihe ihrer Stücke inszeniert – und „überall schimmert die Zeit durch“.

Gerlind Reinshagen wurde in Königsberg geboren, machte eine Apothekerlehre und studierte Pharmazie. In den 1950er Jahren ging sie nach Berlin und begann, als Schriftstellerin zu arbeiten. Zu ihren Theaterstücken gehören „Sonntagskinder“, „Himmel und Erde“ und „Die grüne Tür oder Medea bleibt“. Sie schrieb auch Romane wie „Rovinato oder Die Seele des Geschäfts“ oder „Göttergeschichte“ über eine Frau, die im West-Berlin der 1960er Jahre von Halluzinationen und Stimmen verfolgt wird. Sie selbst sagte in dem Videointerview von Suhrkamp, sie schreibe keine Romane, sondern „Menschenbilder“. Gerlind Reinshagen ist tot. Sie sei in der Nacht auf Sonntag im Alter von 93 Jahren in Berlin gestorben, teilte der Suhrkamp Verlag mit, der Ende 2018 unter dem Titel „Atem anhalten“ ihre gesammelte Gedichte veröffentlichte. (fr/dpa)

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