Feine Gesten, zarte Frohheit in Taulant Shehus „Dua“. Bild: Denislav Kanev
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Feine Gesten, zarte Frohheit in Taulant Shehus „Dua“.

Mousonturm

„Dua“ im Mousonturm Frankfurt: Tanz mit Taschentuch

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Taulant Shehus Tradition mit Moderne verbindende Choreografie „Dua“ im Mousonturm.

Schon länger hörte man im Saal des Frankfurter Mousonturms keinen solchen Publikumsjubel mehr. Aber schon länger auch war dort kein Stück mehr zu sehen, in dem Tanz und Musik, nichts als Tanz und Musik, sich so glücklich verbanden. In dem außerdem der erzählerischen und atmosphärischen Kraft der Bewegung so vertraut wurde. Taulant Shehu, in Albanien geboren, an der Tirana Ballet School ausgebildet, verwendet in der knapp einstündigen Choreografie „Dua“ traditionelle Elemente seiner Heimat, ohne dass das Ergebnis rückwärtsgewandt wirkt. Es gelingt ihm eine ungezwungene Verbindung von Stilen, die ganz im Dienst einer besonderen, zwischen Vergangenheit und Heute fließenden Energie steht.

Shehu war Tänzer bei Stephan Thoss, als dieser noch Wiesbadens Tanzchef war, und gehört nun zum Ensemble des Hessischen Staatsballetts. Anders als mancher Choreografennachwuchs hat er bereits eine eigene, durchaus charakteristische Handschrift. Für „Dua“ hat er eng mit dem Komponisten Arne Stevens zusammengearbeitet, dieser wiederum ließ sich von albanischer Musik inspirieren. Um dann zum Beispiel dezente Streicher-Wehmut in elektronische Flächen und Rhythmen eingehen zu lassen. Auch hier gelingt die Verschmelzung.

Die Bühne ist eher schummrig beleuchtet und leer bis auf immer wieder ein wenig Theaternebel. Drei Tänzerinnen und drei Tänzer zeichnen mit ihren Körpern in ganz unterschiedlichen Konstellationen Stimmungen, Gefühlslagen nach, die Shehu auf albanischen Hochzeitsfeiern wahrgenommen hat, an die er sich erinnert. Die Frauen tragen leuchtend rote, leichte Kleider, die Männer braune Hemden und Hosen, auch Hosenträger (Kostüme: Jennifer Harres). Einmal kommen sie mit weißen Stofftaschentüchern herein, im Tanz sind diese Accessoire wie anderswo Stöcke oder Hüte.

Die Bewegungssprache Taulant Shehus ist so wandelbar wie unmittelbar Assoziationen weckend. Man wippt und streckt sich, oder rundet den Rücken wie vom Alter gebeugt, trippelt und schleicht. Dann wieder greift man in Drehungen aus, auch dies oft eher bodennah, geduckt. Himmelhochjauchzend sind diese jungen Leute eher nicht, eher vorsichtig froh, in feinen Gesten. Mal bilden nur die drei Männer, mal alle eine Reihe, legen den Arm über die Schulter des Kollegen. Aber ehe es folkloristisch werden könnte, übernehmen zeitgenössische Formen und Bewegungsfolgen. Der Choreograf hat das Gespür für die rechte Mischung.

Und für den dramaturgischen Faden. Es ist sein erstes „abendfüllendes“ Stück, aber es hängt an keiner Stelle durch. Sparsame Soli, Duos und Trios wechseln sich mit Ensembleszenen ab, die die sechs Tänzer interessanterweise überwiegend nicht zu festen Paaren fügen, obwohl es doch um das Thema Hochzeit geht. Man scheint noch im Stadium des Beschnupperns zu sein – und des Zweifelns, ob man eine Bindung eingehen will. Melancholie liegt oft über den Szenen, aber sie wiegt nicht schwer.

Das Staatstheater Darmstadthat „Dua“ am 18. und 19. Januar in die Kammerspiele eingeladen. www.staatstheater-darmstadt.de

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