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Béla Bartóks Streichquartett und muntere Formationen.

Tanz

Dresden Frankfurt Dance Company: Die Musik auf den Tanzpunkt bringen

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Bockenheimer Depot: Die Dresden Frankfurt Dance Company trifft auf das Ensemble Modern.

Sich mit dem Ensemble Modern treffen zu können, ist immer eine feine Sache: Jetzt überschreibt Jacopo Godani, Chef der Dresden Frankfurt Dance Company, seinen jüngsten Abend mit „...meets Ensemble Modern“. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe, die Musiker sitzen an der Kopfseite, das Publikum kann sich im Bockenheimer Depot auf drei Seiten verteilen. In der Mitte eine große, schlicht weiße Tanzfläche, gefüllt bald mit unterschiedlichen Energien, so wie auch die drei ausgewählten Musikstücke ganz unterschiedliche Energien mitbringen.

Die direkte Begegnung von Musizierenden und Tanzenden ist derzeit schwer in Mode. Godani bringt im ersten, mit nur 13 Minuten dem kürzesten Stück des Abends, trotzdem einen neuen Ton hinein: Zum stürmischen, auffahrenden „Attack Decay“ von Johannes Motschmann lässt er Tänzerinnen und Tänzer mit weiß geschminkten Armen zwischen die Musiker strömen, dann sich beschränken auf abrupte, leicht groteske, fremdartige Armbewegungen, die den Furor der Musik aufnehmen und in perfektem Timing gleichsam auf den Punkt bringen. Jeweils ein Tänzer „dirigiert“ vorne, ein weiterer ist auf der Tanzfläche ein schwarzer Umriss mit Ecken, Kanten, ebenfalls skurrilen, aufschießenden Bewegungen. Man wechselt durch, löst sich ab.

Schon gibt es die erste Pause; das Ensemble muss die Farbe von den Armen waschen, ein EM-Quartett – Aida-Carmen Soanea, Viola, Michael M. Kasper, Violoncello, Jagdish Mistry, Violine, Diego Ramos Rodríguez, Violine – sich platzieren, denn es folgt Béla Bartóks Streichquartett Nr. 4.

Dresden Frankfurt Dance Company: Tanz nimmt die Impulse der Musik auf

Auch hier nimmt der Tanz die Impulse der Musik auf, ohne dass er sich abhängig macht oder gar zu bebildern versucht. Godani versteht sich auf Formationen, auf ein scheinbar anstrengungsloses und natürliches Ineinandergreifen von Reihen, auf den Schwung, der aus der Vielzahl von Tänzerinnen und Tänzern entsteht. Er nennt seine Choreografie „Metamorphers“, und in der Tat kann man den nun schlicht in farbige Hemdchen und Strumpfhosen Gekleideten irgendwie beim Sich-Verwandeln und Sich-Verflechten zusehen. Zunächst tun sie das mit viel Furor, dann, im dritten Satz, „Non troppo lento“, mit fließender Geschmeidigkeit.

Typischer für den italienischen Choreografen ist allerdings das letzte Stück, „Satelliting“, zu Johannes Schöllhorns „Anamorphoses“. In Shakespeares Zauberwald könnte die oft nur tröpfelnde, versickernde, zart zirpende Musik spielen, dazu schickt Godani rätselhafte Wesen herein. Zwei tragen einen hohen, schmalen Ballon-Kopfschmuck, andere besondere Lampenkonstruktionen unterm Kinn oder über der Schulter, wieder andere sind von dünnen Plastikbahnen umhüllt, die sie geisterhaft umwehen. Hier verlangsamt sich alles, die Tänzerwesen ziehen fast verträumt im Kreis, breiten weitere leise knisternde Kunststoffteile aus, die mit Gas gefüllt und auch zum Schweben gebracht werden.

Godani mag es gern raunend und verrätselt. Oft könnte man bei seinen Choreografien meinen, er sucht sich Themen, die man schlecht oder gar nicht vertanzen kann. In „Satelliting“ raunt er nun einmal mehr, nach den präzise bewegten ersten Stücken wird die Stimmung trüb, verhalten, etwas müde. Aber der Elan, vor allem die Komplexität, die dem Tanz nun plötzlich fehlt, werden immerhin von der Musik beigesteuert. Auch gelingen Godani, der wie stets ebenso für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, im Dämmerlicht schöne Bilder von Schattentänzerinnen und -tänzern.

Bockenheimer Depot, Frankfurt: 14., 15., 18., 19., 20., 21., 22. Dezember. dresdenfrankfurtdancecompany.com

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