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Dieudonné Niangouna: Sie wollen nicht spielen

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Von: Sylvia Staude

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Das „Ich-ganz-allein“, grübelnd.
Das „Ich-ganz-allein“, grübelnd. © Sean Hart

Dieudonné Niangounas Theater-Monolog „De ce côté / Diesseits“ im Mousonturm.

Dieudonné Niangouna, kongolesischer Autor und Schauspieler, im Exil lebend, steht in der Tradition des französischen Dramas, das sich ganz auf die Kraft des Wortes verlässt. Zwar ist sein jüngster Theatermonolog „De ce côté / Diesseits“ etwas weniger wasserfallartig, als man es von ihm gewohnt sein kann. Doch löst er das Versprechen, das er anfangs zu geben scheint, nicht wirklich ein: „Sie rülpsen in mir und wollen spielen“, sagt Niangouna, sagt Theatermacher Dido, aber der jetzt im Frankfurter Mousonturm gezeigte Abend bleibt eine nur äußerst sparsam mit Gesten erweiterte Rezitation.

Er habe 24 Gespenster im Bauch, sagt der Schauspieler auch – ein schönes Theater-Bild –, aber zu Wort kommen sie nicht. Nur Theatermann Dido scheint zu sprechen oder der Autor, der den Text irgendwann seine „Autofiktion“ nennt. Es ist eine (autobiografische?) Fiktion in einer symbolischen, bildhaften, substantivischen Sprache. Jeder konkrete, sinnliche Ansatzpunkt wird der Zuhörerin sofort wieder weggezogen. Ah, es gibt also eine Bar, die „Das letzte Glas“ heißt? Viel mehr als den Namen erfährt man nicht. Es gibt also eine Frau, die Männer auffrisst und darum 250 Kilo wiegt, die aber über keinerlei andere erwähnenswerte Eigenschaften verfügt. Die eine Bar-Besucherin oder Didos gleichgültige Mutter oder beides sein könnte – oder auch nur in seiner Vorstellung existieren.

„De ce côté / Diesseits“ ist, um es deutlich zu sagen, kein Theatertext, der einen irgendwohin mitnimmt. Weder ins kongolesische Theater, noch in eine Bar, noch weckt er Mitgefühl mit einem Regimegegner, der offenbar von zwei Seiten angefeindet wird. Wo er genau steht und warum, wer weiß? Er ist „Ich-ganz-allein“, immer und immer wieder nennt er sich so.

Kurz zeigt sich Niangouna angefasst, wie er da auf der dämmerigen Bühne vor einer schwarzen Fläche steht, kann sein, dass ihm einmal die Tränen kommen, so genau sieht man das nicht. Jedenfalls lässt er die 24 Gespenster nicht heraus, nicht einmal einige von ihnen. Er lässt das Wort auch nicht zu Fleisch werden, in Umkehrung erklärt er es gegen Ende für tot: „le mot est mort“. Mehrfach ist von einer Bombe die Rede, dann wird das Video einer Staubwolke (nach einer Explosion?) eingespielt. Und bleibt genauso unscharf und wolkig wie der ganze Abend.

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