feu_Die_Unke-2_Foto_Theater
+
Drei Unken und Nicht-Unken wägen ab.

Kindertheater

„Die Unke“: Die Mahlzeit teilen

  • vonAndrea Pollmeier
    schließen

Das Märchen „Die Unke“, eigenwillig auf der Theaterhaus-Bühne.

Das Märchen „Die Unke“ der Brüder Grimm ist nur selten auf dem Spielplan eines Kindertheaters anzutreffen. Die kurze Erzählung endet bitter und es scheint Mut zu benötigen, sie für das junge Publikum ermutigend zu gestalten. Die international erfahrene Schauspielerin Verena Specht-Ronique, die nach ihrem Studium in London, Sansibar und Frankfurt 2007 die Theater-Plattform the@rt gründete, hat nun zusammen mit der Klangkünstlerin Elvira Plenar und dem Regisseur Kosmas Chatziioannidis diese Geschichte über ein Kind, das mit einer Hausunke seine tägliche Milchmahlzeit teilt, im Theaterhaus Frankfurt in einem eigenen, fragmentarischen Erzählstil auf die Bühne gebracht.

Die Zuschauer sind von Anfang an in die Entwicklung der Erz��hlung einbezogen. Locker plaudernd betreten die drei Akteure die karge Bühne, sie scheinen sich zu einem ersten Probengespräch zu treffen. Mehrere Startmöglichkeiten werden überlegt, diverse Musik- und Sprechvarianten ausprobiert und unterschiedliche Meinungen abgewogen. Als Zuschauerin erkennt man deutlich, welche Komposition jeweils lebendiger funktioniert. Zugleich wird offenbar, aus welchen Bausteinen ein Theaterstück zusammengefügt ist. Poetische Momente gehen zum Teil abrupt in Diskussion und Zweifel über. Ein Illusionsbogen, der das Publikum in eine Phantasiewelt versinken lässt, ist hier nicht das Ziel. Alle sind vielmehr gemeinsam am Entstehungsprozess des Stücks mit beteiligt, das funktioniert, ohne dass man als Zuschauer direkt angesprochen wird.

So dürfte sich bei dem jungen Publikum – ab zweiter Schulklasse aufwärts – und den Erwachsenen ein unterschiedlicher Erzählbogen im Innern entfalten, der zahlreiche Fragen, die das Märchen aufwirft und die auch in der Inszenierung offen ausgesprochen werden, beantwortet.

Warum, zum Beispiel, hat die Mutter des Kindes nicht mitbekommen, dass die Hausunke seit langer Zeit ein Freund des Kindes ist? So glaubt sie, eine Feuerkröte mit aufgestellten Haaren sei aus der Mauerritze auf ihr Kind zugekrochen. Sie sieht eine Gefahr und handelt in reflexartiger Angst. In dieser Phase der Erzählung spitzt sich die Spannung zu, ohne dass eine der beschriebenen Figuren real Gestalt annimmt. Schritt für Schritt erwächst aus den Probenfragmenten in manchmal verwirrenden Sprüngen eine spannungsreiche und zugleich behutsam ausgearbeitete Erzählung.

Dieser fragmentarische Erzählweg und die klangvoll eingefügten Kompositionen von Elvira Plenar geben dem Stück ein eigenwilliges, überzeugend modernes Profil.

Theaterhaus , Frankfurt: 1. September. www.theaterhaus-frankfurt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare