Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Königin Atossa, wie alle anderen an diesem Abend Philipp Scholtysik. Foto: Christian Schuller
+
Königin Atossa, wie alle anderen an diesem Abend Philipp Scholtysik.

Antikes Drama

Die fremden Toten beklagen: „Die Perser“ als Zoom-Theater der studionaxos in Frankfurt

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Schlanke, aber triftige „Perser“ frei nach Aischylos können sich Theaterfans auf Zoom ansehen. Regisseur Philipp Scholtysik spielt alle Rollen selbst.

  • Philipp Scholtysik führt das antike Drama „Die Perser“ von Aischylos über Zoom auf.
  • Scholtysik gehört zu den Theatermacher:innen der studionaxos.
  • Neben Originaltext-Schnipseln wird bei dem Stück auch viel zu dem Werk erklärt.

Eine Fliege summt vernehmbar. Dann: in Ljubljana steckt sich eine junge Frau, Bettina Földesi, Kopfhörer in die Ohren, setzt sich an einen Tisch, beginnt mit ihrer Erzählung, beginnt mit einer Beschreibung Atossas, der Perserkönigin, deren Sohn Xerxes gegen die Griechen kämpft (um sich ihr Reich einzuverleiben). In Frankfurt in der Naxoshalle – die Zuschauerin via Zoom erkennt den alten Industriehallenboden – beugt sich derweil unter einer weißen Maske Philipp Scholtysik stumm allen ihren Anweisungen: Die Arme hochzuhalten, etwas mehr abzuspreizen vom Körper, im Handgelenk ein bisschen mehr abknicken bitte... Zeremonielle Posen entstehen.

Für ein größenwahnsinniges Unterfangen könnte man es halten, dass die unter dem Namen studionaxos versammelten Theatermacherinnen und -macher ausgerechnet mit „Die Perser“ antreten, einem antiken Riesendrama. Da doch in diesen Zeiten nicht einmal die große Naxoshalle mit Darstellermassen bespielt werden kann. Aber in der (Eigen-)Regie Scholtysiks (Dramaturgie: Jacob Bussmann, Kamera und Masken: Laila Gerhardt) ist Aischylos’ „Die Perser“ höchst sinnfällig verschlankt, einerseits bis aufs Skelett reduziert, liefert andererseits einen guten Eindruck, worum es geht. Ums Sterben vor allem. Um davon wenig berührte Herrscherinnen und Herrscher. Denn Xerxes zerreißt bei Aischylos nach der Vernichtung seines Heeres zwar sein Gewand, ein Zeichen von Trauer, blickt dabei aber von weit weg, von einem fernen Hügel auf seine „im Purpurbad“ ausblutenden, „am harten Strande zerschellenden“ Soldaten. Und fährt dann einfach nach Hause.

„Die Perser“ von Philipp Scholtysik in Frankfurt: Es hat eine erstaunliche Eindringlichkeit

Während Scholtysik, nun ohne Maske, einen Sterbenden nach dem anderen – nicht direkt spielt, aber in ganz unterschiedlichen Posen zeigt. „Mach dich ganz flach“, sagt Földesi, oder „dein Oberschenkel bricht“ oder „das Luftschnappen hast du schon aufgegeben“. Einmal meint man, das Knarzen von Schiffsplanken zu hören, aber sonst ist es still. Das hat, zusammen mit Földesis Aufzählung von Namen, eine erstaunliche Eindringlichkeit. Aischylos, erklärt sie danach, hat sich die Namen der sterbenden Perser ausgedacht, obwohl die von zwölf getöteten Feldherren durch die Geschichtsschreibung Herodots bekannt waren; es sind nicht einmal persische Namen.

Neben Originaltext-Schnipseln gibt es einiges Erklärendes. Etwa, dass in „Die Perser“ alle bis auf die Königin weinen und klagen. Und dass im alten Griechenland Männer auf der Bühne (nur auf der Bühne) zwar weinen durften, dass aber griechische Niederlagen als Thema tabu waren.

„Oi oi oi“, sagt Földesi dann, und, wie es sich einst zur Klage gehörte, „papei, papei, papei“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare