Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Heiter kostümiert, aber mit harter Musik und harten Worten. Foto: Niko Neuwirth
+
Heiter kostümiert, aber mit harter Musik und harten Worten.

Frankfurt

Die Landungsbrücken mit „Zerbombt“ von Sarah Kane: Erleichtert stirbt er

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Die Frankfurter Landungsbrücken nehmen sich des verstörenden Werks von Sarah Kane an.

Neben der Kasse an der Scheibe hängt eine „Triggerwarnung: sexualisierte, physische und psychische Gewalt, Suizid und Rassismus“. Die Frankfurter Landungsbrücken nehmen sich des Werks der britischen Dramatikerin Sarah Kane an, die Anfang 1995 mit „Zerbombt“ für einen Theaterskandal sorgte und sich 1999, unter Depressionen leidend, mit nur 28 Jahren das Leben nahm. Wer angesichts der Warnung, die auch aufs Programmblatt gedruckt ist, vielleicht noch mit den Schultern zuckt, wird feststellen: Kanes Text erspart einem nichts. Freilich schlug die Autorin ihrem Publikum auch nur um die Ohren, was täglich, nur natürlich dezenter formuliert, in den Medien lief und noch läuft. Damals war es der Bosnienkrieg, der Völkermord von Srebrenica. In diesen Tagen sind es unter anderem die massenhaften Vergewaltigungen in Tigray, ausgeführt von äthiopischen und eritreischen Soldaten.

Auch in „Zerbombt“ ist es ein Soldat, der an Grausamkeit den Journalisten Ian weit übertrifft, der wiederum nicht zögert, seine Ex-Freundin Cate zu vergewaltigen. Ian und Cate befinden sich in einem Hotelzimmer in Leeds, Ian wird wohl demnächst an Lungenkrebs sterben (oder Leberzirrhose) – „kannst du keine Organspende kriegen?“ fragt Cate –, aber dann taucht ein Soldat auf, saugt ihm die Augen aus, vergewaltigt ihn. Am Ende kriecht Ian bis zum Hals unter die Bodendielen, wo Cate schon ein totes, von ihm teils gegessenes Baby begraben hat (aber er hatte doch Hunger). Cate betet für ihn, in den Regieanweisungen steht: „Erleichtert stirbt er“.

Die beiden „Zerbombt“-Regisseure Felix Bieske und Linus Koenig ersparen dem Publikum also insofern nichts, als der Teil des Geschehens, der nicht in die Dialoge, sondern Regieanweisungen gepackt ist, auf der Rückwand zu lesen steht. Sie versuchen andererseits gar nicht erst, irgendetwas davon auch nur annähernd realistisch spielen zu lassen. Und schaffen damit einen Abstand zum Publikum, über den dieses froh sein kann – all die Schrecklichkeiten rumoren auch so noch genug in der Betrachterin.

Drei Performerinnen (Marlene Sophie Haagen, Randi Rettel, Magdalena Wiedenhofer) sprechen abwechselnd Cate, zwei Performer (Julian Koenig, Julius Ohlemann) abwechselnd Ian, Christoph Maasch spricht den Soldaten. Sie stehen hinter einem Mikro und tragen Kostüme (Anna Hasche) wie zum Karneval oder Varieté-Auftritt, sind mit Glitzer geschminkt. Im goldenen Paillettenhemd tritt der Soldat auf und könnte ein Conférencier mit sehr üblen Witzen sein. Fehlt noch die Band: Thomas Buchenauer und Jens Eichler spielen zwischen den Szenen an E-Gitarre und Schlagzeug treibenden, ordentlich lauten Rock. Er pustet das Gehirn durch, auch das ist nicht von Nachteil.

Mit wechselndem, stets präzisem Ausdruck sprechen die sechs ihren teils so brutalen Text. Ian ist mal wütend, mal flüstert er fast, Cate ist meist ziemlich nett und freundlich, für eine Szene wird der Dialog der beiden kurz mit Hall unterlegt.

Durchweg kluge Verfremdungseffekte also – so erspart man sich Peinlichkeiten und nimmt dem Stück trotzdem nichts von seinem Schmerz und seiner Bedrohlichkeit.

Landungsbrücken, Frankfurt: „Zerbombt“ noch am 15. August, Wiederaufnahme im November. Premiere „Phaidras Liebe“: 17. August. www.landungsbruecken.org

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare