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David Leonidas Thiel und Zoe Lenzi Allaria in „Quintett“ von William Forsythe. Foto: Dominik Mentzos
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David Leonidas Thiel und Zoe Lenzi Allaria in „Quintett“ von William Forsythe.

Frankfurt

Die Dresden Frankfurt Dance Company im Bockenheimer Depot: Die Sprachen der Körper

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Ein Abend der Dresden Frankfurt Dance Company mit Choreografien von Jacopo Godani, William Forsythe, Marco Goecke.

Nach seiner dann achten Spielzeit, 2022/23, will Jacopo Godani die Dresden Frankfurt Dance Company verlassen, kündigte er im Sommer an. Während die Grünen trotz Pandemie-Kosten vorsichtig darüber nachdachten, an den Städtischen Bühnen wieder eine dritte Sparte zu etablieren. Die Lösung jedenfalls, die nach der Auflösung des damals weltberühmten Balletts Frankfurt im Jahr 2003 zusammengeschustert wurde, der Spagat zwischen Dresden und Frankfurt, hat nur dazu geführt, dass die Truppe nirgendwo richtig angekommen ist. Und, anders als versprochen, wurde auch nicht gerade viel von William Forsythe aufgeführt, dafür viele Versuche Godanis, dessen dekonstruierte Ballettsprache in einen Virtuositätsrausch zu treiben.

Einen äußerst spannenden Vergleich choreografischer Handschriften und ihres Ausdrucksvermögens – oder eben nicht – bietet jetzt ein dreiteiliger Abend der Dresden Frankfurt Dance Company im Bockenheimer Depot, der etwas sinnlos „Zeitgeist“ überschrieben ist. Denn vor allem Forsythes „Quintett“, entstanden 1993, als seine Frau Tracy-Kai Maier starb, ist zeitlos in seiner Wärme, Eleganz, berührenden Menschlichkeit.

Zwei Tänzerinnen, drei Tänzer sind in ständigem, freundlichem Kontakt, und sei es nur durch Blicke, lehnen den Kopf für einen Augenblick an die Schulter des anderen, lehnen den Kopf für einen Moment an die Brust des anderen, stoßen sich mit einer Hand am anderen ab, fordern sich heraus, schenken sich Vertrauen, lassen sich auffangen. Sind einander und dem Publikum zugewandt bei aller intrikaten Geschwindigkeit der Bewegungsfolgen. Dazu kommt Gavin Bryars „Jesus’ blood never failed me yet“, der Gesang eines Obdachlosen in einer sich an Lautstärke steigernden Schleife. Anne Jung, Zoe Lenzi Allaria, David Leonidas Thiel, Tars Vandebeek und Sam Young-Wright zeigen nun eindrucksvoll, wozu sie in den Stücken ihres Chefs regelmäßig wenig Gelegenheit haben: Persönlichkeit.

Der Abend beginnt aber mit einem neuen, 20-minütigen Godani-Stück, „BACH OFF!“, in dem „klassisches Kulturgut auf die Gegenwart projiziert“ werden soll. Beim Kulturgut handelt es sich um Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach, auf der Bühne, zwischen den Tänzerinnen und Tänzern gespielt von Petar Pejcic.

Lange Zeit führt ein bunt gekleidetes Quartett Godanis feinziselierte, perfekt abschnurrende, aber erneut kaum mehr als dekorativ wirkende Bewegungssprache aus. Hinten, im Dreivierteldunkel, sieht man schemenhaft drei weitere Vierergruppen offenbar dieselben Sequenzen ausführen. Man könnte das, böse, als typisch für Jacopo Godanis Arbeiten bezeichnen: Ist es nicht Dunkelheit, sind es überbordende Kostüme, Masken auch, die seinem Ensemble alles Individuelle nehmen. Oft arbeiten sich alle einfach nur wie Maschinchen ab.

So zeigt an diesem mit Pausen zweistündigen Abend „Quintett“, aber auch Marco Goeckes im Frühjahr für die Company entwickeltes, gut halbstündiges „Good Old Moone“, was diese Tänzerinnen und Tänzern an intensivem Ausdruck einzubringen vermögen. Musik von Patti Smith hat Goecke ausgesucht, darunter ihre Interpretation von Bob Dylans „Changing of the Guards“ und ihre Version von Jimi Hendrix’ „Hey Joe“, die sich mit der entführten Millionärstochter Patty Hearst, ihrer Persönlichkeitsveränderung in Geiselhaft beschäftigt. Indessen Tänzerinnen und Tänzer in wechselnder Formation und in der für Goecke typischen, nervös aufgeladenen, fiebrig gestikulierenden Bewegungssprache zu sagen scheinen: Schaut, welche brodelnden Gefühle im Menschen stecken, was aus ihm herausbrechen kann wie eine Naturgewalt.

Marco Goecke, in Stuttgart am Staatstheater lange Hauschoreograf, mittlerweile Ballettchef in Hannover, fügt zuletzt diesem Abend Dunkelheiten und mehr als einen Hauch Verzweiflung hinzu. Aber mit diesen megazappeligen Menschlein ist doch auch zu rechnen.

Godani bemüht sich indessen noch tapfer, mit Gesprächen nach der Vorstellung, mit einem Podcast zum Abend, mit einem Education-Programm die Company in der Stadt zu verankern. Aber dazu wird es vermutlich doch eine Rückkehr an die Städtischen Bühnen brauchen, regelmäßiger Aufführungen. Und schließlich wohl auch einen anderen Choreografen oder andere Choreografin, bei dem oder der ein fantastisches Ensemble ein treues, genau an diesen Menschen interessiertes Publikum gewinnen kann.

Dresden Frankfurt Dance Company

im Bockenheimer Depot, Frankfurt: 23., 24., 28.-31. Oktober. dresdenfrankfurtdancecompany.de

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