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Das Ensemble in heller Aufregung und mit gutem Grund: „Der nackte Wahnsinn“ in Bad Vilbel. Foto: Eugen Sommer
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Das Ensemble in heller Aufregung und mit gutem Grund: „Der nackte Wahnsinn“ in Bad Vilbel.

Burgfestspiele

„Der nackte Wahnsinn“ in Bad Vilbel: Elastischer zu Boden gehen

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Der nackte Wahnsinn“: ein lebensechter Spaß bei den Burgfestspielen Bad Vilbel.

Panik auf der Bühne, ein weites Feld, aber selten so nachhaltig bestellt wie von dem Briten Michael Frayn in der Komödie „Der nackte Wahnsinn“. Man lacht am Ende praktisch über alles, auch über sich selbst, weil man so lacht. Nebenan wird aber auch gelacht. Die Sardinen sind wieder da, die Sardinen sind wieder weg, Brooke hat ihre Kontaktlinse verloren, Belinda hat die Klinke der Badezimmertür in der Hand, Dotty rutscht auf den Sardinen aus, Selsdon kommt zu spät, zu früh, zu spät, zu dritt, weil Tim und Lloyd dachten, er habe sich betrunken und sie müssten einspringen. Freddy rutscht auf den Sardinen aus. Garry rutscht auf den Sardinen aus. Freddy lässt die Hose runter. Garry fällt die Treppe runter.

Über so etwas soll man nicht lachen, allerdings fällt Steffen Weixler ausgiebig und sehr elastisch, ein Tom-und-Jerry-Sturz. Weixler als Garry wäre bereits für sich genommen ein Grund, die Vorstellung zu besuchen.

Garry hat was mit Dotty

Panik auf der Bühne, sie lenkt von den eigenen Sorgen ab und führt zugleich zu ihnen hin, denn es ist der Kulturbetrieb, über den Michael Frayn sich lustig macht. Mimosen, Angeber, Verliebte und Verkrachte, Routiniers und Nervöse, alle unter Druck und doch mit Zeit zum Klatschen und Tratschen. Hat Lloyd was mit Brooke, Garry was mit Dotty, echt? Zugleich liebt Frayn das Theater, das muss er auch, um ein solches Stück zu schreiben.

„Der nackte Wahnsinn“ erzählt vom nackten Wahnsinn des Tourneetheaters, in England gang und gäbe, in Deutschland vertraut genug, und die Burgfestspiele in Bad Vilbel haben bis in den September hinein zumindest eine lange Strecke vor sich. Regisseurin Adelheid Müther und das Ensemble können der Situation also einiges abgewinnen, das sieht und hört man. Akt 1: die Generalprobe. Akt 2: eine Vorstellung mittendrin. Akt 3: Eskalationen am letzten Abend der Tour.

Kathrin Keglers Bühnenbild und Marie-Therese Cramers Kostüme signalisieren schmuckes Boulevard, und damit fängt es auch an. Die Haushälterin, Britta Hübel, hat sich eine Büchse Sardinen aufgemacht. Das Telefon klingelt, ein älteres Modell, denn „Der nackte Wahnsinn“ (später auch verfilmt) ist von 1982 und im 3. Akt braucht es ein langes Kabel. Hübel raunzt als Haushälterin robust vor sich hin, bis Regisseur Lloyd, Julian Keck, wie Gott von der Zuschauertribüne donnnert. Sie hat was falsch gemacht. Anders als die Haushälterin ist Schauspielerin Dotty zartbesaitet.

Das gehört zum Spaß, denn fast alle, die hier mitspielen, spielen mindestens zwei Rollen. Friederike Maria Nölting ist im Stück die quietschende Vicki, hier draußen die vor sich hin dösende Brooke, die allerdings eine Professionalität wahrt, von der andere nur träumen können. Volker Weidlich und Silke Buchholz sind das wohlsituierte Ehepaar, während der etwas langsame Schauspieler Freddy und seine verhältnismäßig vernünftige Kollegin Belinda wenig miteinander zu tun haben. Andreas Krämer, im Stück der Einbrecher (im Haus ist bald eine Menge los), spielt den Trinker Selsdon, um den sich alle Sorgen machen, dabei funktioniert er im Großen und Ganzen gut.

Auf der Regieassistentin, Alice von Lindenau, und dem Inspizienten, Peter Albers, ruht die Last der Reparaturen und Rettungsaktionen. Frayn und Regisseurin Müther haben Respekt vor den Abläufen am Theater, und selbst das Stück im Stück ist kein Schmierentheater.

In der Pause flaniert man um den Wassergraben der Burg und kann das größte Froschgequake aller Zeiten hören, wirklich.

Burgfestspiele Bad Vilbel: Termine für den „Nackten Wahnsinn“ bis 29. August. www.kultur-bad-vilbel.de

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