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„Der Menschenfeind“ im Rémond-Theater – Die lustige Witwe

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Von: Katja Sturm

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„Der Menschenfeind“ in Frankfurt: Madeleine Niesche (l.) und Christopher Krieg auf der Treppe des Geschehens. Foto: Helmut Seuffert
„Der Menschenfeind“ in Frankfurt: Madeleine Niesche (l.) und Christopher Krieg auf der Treppe des Geschehens. Foto: Helmut Seuffert © Helmut Seuffert

Molières „Menschenfeind“ präsentiert sich im Frankfurter Fritz Rémond Theater in trefflicher Zeitlosigkeit.

Selten werden im Frankfurter Fritz Rémond Theater Klassiker aufgeführt. Dabei unterscheiden sich die Beziehungsprobleme von früher kaum von jenen, die in der Gegenwart gepflegt und komödiantisch verarbeitet werden, und es ist beeindruckend, wie aktuell alte Geschichten bis heute sein können. Schmeicheleien, Heucheleien, Lästereien beispielsweise, wie der französische Dramatiker und Lustspielspezialist Jean-Baptiste Molière sie im 17. Jahrhundert für seinen „Menschenfeind“ („La Misanthrope“) aufschrieb, sind ständige Lebensbegleiterinnen. Regisseur Heinz Kreidl hat zudem für seine Inszenierung eine moderne, bisweilen recht freie Bearbeitung des 2008 verstorbenen früheren „Klimbim“-Komikers Horst Jüssen gewählt, um die Zwiste auch sprachlich seinem Publikum näher zu bringen und manches Duell zuzuspitzen. Reime fehlen nicht gänzlich, kommen aber nur noch selten vor.

Christopher Krieg, Dauerdarsteller am Zoo, gibt den Titelhelden Alceste wunderbar knittrig, was positive Bewertungen angeht. Allein die Dame seines Herzens, die verwitwete Célimène (Madeleine Niesche), kann in seinen kritischen Augen bestehen. Zumindest wenn sie bereit sein sollte, dem Bild zu entsprechen, das er sich insgeheim von ihr zeichnet: ein Frauchen, das mit ihm aufs Land zieht, um allen Verlockungen der Großstadt zu entsagen, und nur noch dafür lebt, ihm seine Wünsche zu erfüllen.

Die Herrin des Hauses, in dem sich zwei Stunden lang alles abspielt, macht allerdings vom ersten schicken Auftritt an nicht den Eindruck, als würde sie Einsiedelei der abwechslungsreichen Gesellschaft vorziehen. Selbstbewusst und dominant, dazu umschwärmt von Bewunderern, kostet sie das Begehrtsein liebend gerne aus und zeigt sich auch Körperlichkeiten nicht abgeneigt.

Die Zahl der Kandidaten für solch nähere Bekanntschaften wurde deutlich reduziert, das Personal insgesamt auf fünf Rollen zusammengestrichen. So muss sich Alceste nur eines einzigen Rivalen, des schwülstig formulierenden, aber feschen Dichters Oronte (Martin Krah), erwehren. Éliante (Carolin Freund), die als Cousine bei ihrer reichen Verwandten wohnt, tritt im Konkurrenzkampf umgekehrt auch an die Stelle der fehlenden Arsinoe. Das harmoniert keineswegs: Dem frisch-fröhlichen Fräulein, das dem Alkohol zugeneigt ist, nimmt man die Prüderie nicht ab, mit der sie Célimènes Worten nach anderen begegnen soll. Schnell liegt sie denn auch in den Armen von Philinte (Marko Pustišek), dem einzigen Freund, den Alceste noch hat.

Um die Zeitlosigkeit zu unterstreichen, hat Tom Grasshof als Bühnenbild eine mit rotem Teppich ausgelegte Treppe gewählt. Auf dieser lässt es sich bestens die Angebetete von unten anhimmeln oder, mal spielerisch, mal mühevoll, entlang der Stolperfallen des Lebens balancieren.

Nach der Pause, wenn sich manch zuvor gehütetes Geheimnis enthüllt, nimmt der anfangs sich nur langsam entwickelnde Abend zusätzlichen Schwung auf. Immer mehr Bekanntes kommt zutage, viel Wahres wird gesagt. Für den Blick in den noch immer glänzenden Spiegel bedankt sich das Publikum mit freundlichem Applaus.

Fritz Rémond Theater im Zoo, Frankfurt: bis 26. Februar. www.fritzremond.de

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