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„Der kleine Snack“ am Schauspiel Frankfurt – Der dünnste Darm

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Von: Judith von Sternburg

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Auch Palmela, Heidi Ecks, hält es kaum aus und flieht sich in berufliche Dauertelefonate. Foto: Robert Schittko
Auch Palmela, Heidi Ecks, hält es kaum aus und flieht sich in berufliche Dauertelefonate. Foto: Robert Schittko © Robert Schittko

Nele Stuhler und Jan Koslowski beschäftigen sich am Schauspiel Frankfurt ausführlich, sehr ausführlich mit dem Thema „Der kleine Snack“.

Das Thema Darmflora ist populär und sicher auch triftig – nicht umsonst dominierte ein einschlägiges Sachbuch über Jahre die Bestsellerlisten. Dies ist jedoch ein Abend, um festzustellen, dass es einen doch nicht so interessiert, wie man vielleicht dachte. Die Darmflora interessiert einen nicht so, und es zeigt sich mit ungewöhnlicher Wucht, dass einen auch der schönste Quatsch nicht so interessiert. Wer hätte das gedacht? Nach einer Stunde plumpst der schönste Quatsch nämlich in einen Abgrund der Beliebigkeit. Dann dauert es aber immer noch fast 60 Minuten.

Hier kommt noch erschwerend hinzu, dass Thema und Ensemble – darunter nämlich die wieder äußerst markante, sehr schneidige Anna Kubin, aber auch Lotte Schubert und Mark Tumba – an die Produktion „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ erinnern. Das tut dem Stück „Der kleine Snack“ nicht gut, gar nicht gut. Nele Stuhler und Jan Koslowski haben den Abend entwickelt, die am Schauspiel Frankfurt unter anderem schon den „Alten Schinken“ zeigten.

Das Thema: neben Plänkeleien aller Art die Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen Körper. Was fülle ich hinein, was kommt sodann wieder heraus: der ganze Stoffwechsel als in der Tat spektakulärer Inbegriff des Organischen wird zunächst in stupenden Wiederholungsschleifen dargelegt. Freud hätte seine Freude daran gehabt, auch am Gegickel im Publikum. Kubin, Schubert und Tumba, außerdem und nicht weniger schwungvoll Christoph Pütthoff und Heidi Ecks, zelebrieren das in Zirkusshow-Atmo. Die rotgelben Streifen auf der Bühne von Chasper Bertschinger greifen nachher ebenso gut die Farben eines einschlägigen Würzmischungs- und Instantsuppen-Unternehmens auf. Tatsächlich entwickelt sich eine Art Handlung: Kubin und Tumba wollen mit ihrem sauschlecht laufenden Start-Up Küchen verkaufen, dafür bieten sie Kochkurse („Der kleine Snack“) an. Pütthoff spielt Tumbas aktuellen Freund, der als Workshopleiter aushelfen soll. Ecks und Schubert sind das Paar, das gebucht hat. Hippe Kostüme: Svenja Gassen. Es ist keine Überraschung, dass das Seminar entgleist. Dass Ecks verheißungsvoll den „Gott des Geschnetzels“ anruft, ist aber geschwindelt, denn auch die Entgleisungen stellen sich als reine Ironie heraus. Freunde und Freundinnen des Ironischen werden in solchen Stücken darüber belehrt, wie schal ihre Lieblingshaltung zum Leben ist. Das ist umso unangenehmer, weil es der penetranten Selbstaufmerksamkeit gewissermaßen recht gibt. Alles als ein amüsantes Als-Ob, Nicht-so-Wichtig und Her-mit-dem-nächsten-Späßchen zu behandeln, ist keine Lösung.

„Der kleine Snack“ ist aber eine Gelegenheit, dem Ensemble des Schauspiels zu huldigen, der gewieften Hingabe im einzelnen, aber auch dem Grüppchen, das kompakt, zusammengewachsen, eingeschworen wirkt. Elan auch für das Dürftige, das gehört dazu.

Schauspiel Frankfurt, Kammerspiele: 25. Dezember, 15., 21. Januar. www.schauspielfrankfurt.de

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