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„Der gestiefelte Kater“ im Papageno-Theater Frankfurt: Was alles mit Vertrauen gelingen kann

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Von: Andrea Pollmeier

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Märchenhaftes im Papageno-Theater. Foto: Cornelius Malerczyk
Märchenhaftes im Papageno-Theater. Foto: Cornelius Malerczyk © Cornelius Malerczyk

„Der gestiefelte Kater“ im Papageno-Theater geht mit feinem Gespür einem Leitmotiv nach

Vertraue mir, und es wird alles gelingen.“ Diesen märchenhaften Satz, der gerade in unheilvollen Momenten so viel Ruhe vermittelt, hat Hans-Dieter Maienschein in seiner Inszenierung des Kindertheaterstücks „Der gestiefelte Kater“ zum Leitmotiv gemacht. Das Stück, das jetzt im Papageno Theater am Palmengarten Premiere hatte, basiert auf dem Märchen der Brüder Grimm in einer Bearbeitung von Manfred Hinrichs mit Musik von Stefan Hiller. Moderne und Vergangenheit greifen in dieser zeitgenössischen Interpretation des Märchens eng ineinander. Live-Einspielungen aus dem Werk Antonio Vivaldis (Irina Fundiler, Klavier und Stany Anders, Geige) führen ebenso wie die fein ausgearbeiteten Kostüme des Königs und der Prinzessin (Ausstattung: Stefan Kohler) in eine Zeit zurück, in der diese noch Teil der historischen Realität waren. Digitale Animationen im Schloss des Zauberers (Screen Land Film GmbH) verbinden das Märchenhafte zudem mit gegenwärtigen Darstellungsweisen.

Die Inszenierung setzt jedoch zunächst zeitlos schlicht vor ländlicher Idylle ein. Der Himmel strahlt blau, eine Katze räkelt sich am Rande eines grünen Wiesenhügels auf einer Holzbank. Dass diese Katze zur Rettung in der Not wird, sprechen und singen kann und außerdem zum Geschlecht der d’Artagnan gehört, also mit den Musketieren aus dem Roman des Alexandre Dumas verbunden ist, wird erst später erkennbar werden.

Denn erst, nachdem der verwaiste Müllersohn Hauke (Vincent Hübner) den rätselhaften Kräften der Katze vertraut und Stiefel für sie erwirbt, setzt die Magie der Märchenwelt ein. Die Katze wandelt sich zum noblen, gestiefelten Kater Frédéric (Larissa Rexhaus), der mit Federhut, rotem Umhang, roten Stiefeln und prachtvoller Fellhose listig für das Wohl von Hauke aktiv wird.

Aus dem „Windfänger“, dem es zwar gelingt, den Drachen von Prinzessin Merle (Paloma Selim) zum Steigen zu bringen, der sich aber dennoch als ein armseliger Habenichts begreift, wird in den Kleidern von Dr. Tüftel (Christoph Winkelmann) ein stattlicher Graf Hauke von Roggensack, der selbst die Gunst des Königs und der Hofdame (Semira Samar) zu gewinnen weiß. „Jeder ist etwas“, lautet ein weiterer Schlüsselsatz dieser Geschichte. Selbst ein massiv übergewichtiger König Enno III. (Felipe Carrillo Quintero), dem die Vorliebe zu gutem Essen und insbesondere zu Rebhühnern zum Verhängnis zu werden droht, wird hier auf sympathische Weise karikiert, wenn er in schnellen Trippelschritten zur Treppe eilt, um dann am schmalen Abgang stecken zu bleiben. Tochter Merle wird ihm helfen, aufrecht nach unten zu gelangen und festen Schritts voranzugehen. Es ist ein Spiel zwischen Stolz und Würde, zwischen List und Aufrichtigkeit, welches das Ensemble mit feinem Gespür realisiert hat.

Papageno-Theater Frankfurt, 14.-16., 21.-23-, 27.-30. Oktober, weitere Termine: papageno-theater.de

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