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„Der Fischer und seine Frau“ im Theaterhaus Frankfurt: Der Gott im Butt

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Von: Judith von Sternburg

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Ilsebill, Fischer, Sarah Wissner (v. l.). Foto: Katrin Schander
Ilsebill, Fischer, Sarah Wissner (v. l.). Foto: Katrin Schander © Katrin Schander

Sarah Wissner erzählt im Theaterhaus Frankfurt das Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ mit einem pfiffigen Perspektivwechsel.

Die Erfahrung, dass keiner an einen glaubt, ist zwar eine der menschlichsten von allen, aber sie betrifft auch und sogar ganz besonders Gott. Wenn man es einmal so betrachtet. Das tut Sarah Wissner, die im Frankfurter Theaterhaus „Der Fischer und seine Frau“ aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählt. Man stellt sich dann zwar vor, dass eine naturgemäß allmächtige Puppenspielerin darauf schon kommen kann. Aber nie wäre man in der Lage gewesen, sich das so lustig und klug auszudenken. Darum steht Sarah Wissner da vorne, und unsereiner guckt zu und kichert. Die Kinder (ab 4 Jahren, rät das Theaterhaus) kichern ebenfalls. Alle wollen immer, dass alle etwas vom Theater haben. Hier ist es so. Nur Ilsebill meckert.

Ein superschlaues Konzept

Ist es gut, die Geschichte schon zu kennen? Vielleicht macht es noch mehr Spaß. Und man kann besser würdigen, wie superschlau Wissners Konzept ist.

Kurzum: Sie ist Gott, Gott ist Sarah Wissner im weißen Anzug mit Zylinder, er, Gott und der Anzug, haben etwas bessere Tage gesehen. Der Unglaube der Menschen nagt an Gottes Eitelkeit, zumal seine Allmacht ungebrochen ist. Sarah Wissner lässt es Tag und Nacht werden mit einem Schnippen des Fingers, klar, so ist das auf einer Bühne. Der Fischer und seine Frau sind ausdrucksstarke, ohne Hilfsmittel wie im Kinderspiel geführte Puppen von Regisseur Lutz Großmann. Für eine Puppe ist Wissner ein Monster. Mit Badekappe wird sie zum Butt. Was für eine Erscheinung.

In Wissners Lesart hat sich der Fischer, ein netter, etwas schlapper Norddeutscher, den Butt zunächst als Ausrede ausgedacht, weil er schon wieder keinen Fisch mit nach Hause bringt. Gott hört das zufälligerweise (wobei: Gott hört eh alles) und schaltet sich ein. Gott und der Fischer werden von Ilsebills bekannter Unersättlichkeit gleichermaßen überrumpelt. Als die Ilsebill-Puppe ebenfalls einen weißen Zylinder anzieht, um Gott zu werden, folgt auf ein zähes Ringen eine pädagogisch hochwertige Auflösung. Gott fängt noch mal von vorne an, lässt den Fischer einen Fang machen, Ilsebill eine Fischsuppe kochen und die beiden ein Fischrestaurant eröffnen. Für ein Fischrestaurant interessieren sich die Kinder nun weniger, aber egal. Wer das Ende des Märchens immer schon unfair fand, wird Wissners Ende lieben.

Was sie zum Spielen braucht, nimmt sie aus dem einfachen Mobiliar auf der Bühne – Gottes Zimmer, für Puppen unüberschaubar. Erst reichen noch größere Holzkisten, dann wird ein quergelegter Stuhl zum Palast. Es gibt ein Krönchen, es gibt für das Luxusbad einen seifenblasenproduzierenden Wal, der überaus begehrenswert ist. Es ist ja nicht so, dass Wünsche verboten wären. Das meiste kann Gott selbst, zum Beispiel essen für zwei, eine fabelhafte Szene.

Das alles hat nichts mit Religion zu tun, es hat nicht einmal etwas mit Gott zu tun. Oder es ist einfach so: Gott ist auch nur ein Mensch, der sich als Fisch verkleidet und mit Puppen spielt.

Theaterhaus Frankfurt: bis 16. November. www.theaterhaus-frankfurt.de

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