Kindertheater

Ist denn das die Möglichkeit?

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Durchaus, durchaus: „Rumpelstilzchen“ funktioniert sehr gut im Frankfurter Papageno-Theater.

Das Bild vom wütend aufstampfenden Männlein ist durch die Märchensammlung der Brüder Grimm zum Teil der Kinderkultur geworden. In der zum Musiktheaterstück bearbeiteten Fassung des „Rumpelstilzchen“, die Regisseur Hans-Dieter Maienschein jetzt im Papageno Musiktheater am Frankfurter Palmengarten realisiert hat, stehen jedoch nicht Wut und Hinterlist, sondern Humor und Beharrlichkeit im Mittelpunkt.

Am Königshof brodelt die Gerüchteküche. Müller Großwort (überzeugend: Sven Marko Schmidt) hat behauptet, seine Tochter könne Stroh zu Gold verarbeiten. Selbst die Drohung, man werde ihm Ketten anlegen, falls sich die Aussage als Lüge erweist, kann den Vater nicht mehr von dieser Idee abbringen. Dem sympathisch wirkenden Aufschneider hat man bisher viele Sprüche durchgehen lassen, doch jetzt geht es um mehr: den König zu belügen, ist ein schlimmes Vergehen. Die Müllerstochter, von Lisa Foerster gespielt, gerät so in eine heikle Lage. Als aufrichtige, aber auch loyale Person will sie nicht lügen, aber auch ihrem Vater nicht widersprechen. Sibyllinisch antwortet sie dem König: „Was der Vater sagt, muss die Wahrheit sein.“

Bindeglied zwischen nobler und volkstümlicher Welt ist Page Hans (Katharina Dietz). Mit Empathie unterstützt er die Müllerstochter, zaubern kann er jedoch nicht. Dafür bedarf es magischer Kräfte. Immer wieder gelingt es dem Papageno-Theater, diese märchenhafte Magie mit wenig Mitteln zu entfalten: Etwas Rauch, eine Handpuppe als Rumpelstilzchen und eine aus dem Off eingesprochene Stimme, schon ist die reale Welt auf überzeugende Weise vom phantastischen Geschehen abgehoben.

In klaren und klug akzentuierten Sequenzen hat Maienschein das Stück entwickelt, so dass es auch für Vorschulkinder nachvollziehbar ist. Zum Aufschneider gibt es das Pendant, die Hofdame von Zungenspitz (Renate Maienschein), die alle Geschichten wörtlich nimmt. „Ist es denn die Möglichkeit“, sagt sie ein ums andere Mal kopfschüttelnd. Im grau-weiß gestreiften Kleid mit passender Haube (Ausstattung: Annette Finze) gibt sie die würdevolle, aber leichtgläubige Dienerin. Immer wieder fallen ihr die weißen Laken, die sie im Arm trägt, vor Schreck auf den Boden.

Diese burlesk ausgespielten Eigenarten, die sich nach Dinner-for-One-Art erwartbar, aber auch willkommen wiederholen, wirken stets lustig. Clowneske Komik prägt auch die Art, wie Sven Marko Schmidt, der von Anfang an zum Papageno-Ensemble gehört, den Müller gibt. Das eingespielte Duo verleiht der Inszenierung trotz der Grundspannung eine fein austarierte Leichtigkeit.

Papageno-Theater am Frankfurter  Palmengarten: 2., 3., 4., 25. November.  www.papageno-theater.de

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