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Delattre Dance Company in Mainz: Mit Leckerbissen locken

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Von: Sylvia Staude

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Vertrackt: Liudmila Konovalova in Delattres „Rain, in her dark eyes“. Bild: Klaus Wegele
Vertrackt: Liudmila Konovalova in Delattres „Rain, in her dark eyes“. Bild: Klaus Wegele © dancemovements.de

Eine Ballett-Gala zum zehnten Bestehen der Delattre Dance Company.

Wie das Wort Opern-Gala signalisiert die Ballett-Gala, dass es sich um einen Abend der kleinen Leckerbissen handelt, um eine Art Greatest Hits, allerdings diese herausgeschnitten aus einem größeren Werk. Selten genug gibt es inzwischen Ballett-Galas; in Mainz kam jetzt noch dazu, dass man den üblichen Auftritt prominenter Gäste mit klassischen Rennern verband mit einer Würdigung des Choreografen Stéphen Delattre, dessen Delattre Dance Company seit zehn Jahren besteht. Dies nach kleinsten Anfängen nun in einer Anbindung an die Mainzer Kammerspiele und mit einem technisch beachtlichen, 16-köpfigen Ensemble, aber auf Rosen gebettet wird man nicht sein. Ein schöner Zug, dass das Mainzer Staatstheater sein Großes Haus zur Verfügung gestellt hat für die Jubiläums-Gala. Es war ausverkauft und gefüllt mit Menschen, denen die Company und ihr Chef offenbar vertraut sind. Der Applaus war mehr als herzlich.

Und die Begeisterung groß für die in der Tat illustren Gäste, wie man sie in Mainz sonst nicht zu sehen bekommt. Aber Tanzschaffende mussten sich schon immer, bereits lange vor der Pandemie unter die Arme greifen, gute Kontakte sind hier alles. So kam vom Berliner Staatsballett die hinreißende, bewegend expressive Polina Semionova, ausgebildet einst an der Bolschoi Ballettschule, und tanzte das von Mauro Bigonzetti für sie geschaffene Solo „Cinque“ zu Vivaldis „Stabat Mater“. Dann noch, zusammen mit ihrem Bruder Dmitry Semionov (er in St. Petersburg ausgebildet), die Delattre-Uraufführung „Face My Fears“. Liudmila Konovalova, ebenfalls Russin, ebenfalls weltweit gefragt, zeigte mit Partner Dinu Tamazlacaru den Pas de deux aus dem dritten Akt von „Schwanensee“, in der Fassung von Patrice Bart. Selten wirft ein Schwarzer Schwan trotz Spitzen-Anforderungen so scharfe, spöttische Blicke auf den Prinzen. (Trotzdem, liebes Publikum, man sollte die Ballerina ihre berühmten Fouettés beenden lassen, ehe man klatscht.)

Die „kreative Person“

Aber es galt ja eigentlich, Stéphen Delattre zu feiern, der sich, sympathisch, an diesem knapp vierstündigen Abend so gar nicht in den Vordergrund stellte. Das geschmeidig gefügte Handlungs- oder Themenballett ist sein Ding, von „Alice in Wunderland“ und „Momo“ über „Das Bildnis des Dorian Gray“ und „Notre-Dame de Paris“ bis zum getanzten Geschlechterstreit. Seine choreografische Handschrift auf Spitze wie flacher Sohle ist eingängig, präzise, temporeich, ein bisschen pathetisch, allemal schön anzuschauen. Er scheint es nicht darauf anzulegen, mit eigenwilliger Sprache aufzufallen. Dazu passt, dass er sich laut Jubiläumsheft nicht „Künstler“ nennen möchte, sondern „kreative Person“.

Die Delattre Dance Company bietet die Art von Solidität, mit der sich auch neues, junges Publikum für den Tanz gewinnen lässt.

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