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„Das perfekte Geheimnis“ im Rémond-Theater: Er hat doch nichts zu verbergen?

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Von: Sylvia Staude

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Da sind sie noch guter Dinge ...
Da sind sie noch guter Dinge ... © Helmut Seuffert

Wenn alles ans Licht kommt: „Das perfekte Geheimnis“ im Rémond-Theater.

Dass ausgerechnet eine Psychoanalytikerin auf eine solche Schnapsidee kommt – aber Eva will sich ja auch die Brüste vergrößern lassen, von einem teuren Schweizer (!) Chirurgen. Obwohl das, erstens, ihr Mann billiger machen könnte, der sie zweitens immer noch genau so begehrenswert findet, wie sie ist. Die Schnapsidee, bei deren Ausführung auch die OP-Pläne ans Licht kommen? Sieben Menschen, die eigentlich eine Mondfinsternis-Beobachtungsparty feiern wollen (und den Mond dann ganz vergessen), lassen sich nötigen, ihre Smart-Telefone zu entsperren und auf den Couchtisch zu legen. Bekanntes, aber darum noch lange nicht kluges Argument: er/sie hat doch wohl nichts zu verbergen. Oder ... oder? Man einigt sich schließlich: Sobald eine SMS ankommt, eine Mail, sobald jemand anruft, muss dies mit allen geteilt werden.

Der Italiener Paolo Genovese hat die zeitgemäße Komödie „Das perfekte Geheimnis“ geschrieben, die völlig zu Recht davon ausgeht, dass mittlerweile jede und jeder irgendwas in seinem Handy gespeichert hat, das ihm oder ihr peinlich sein könnte. Oder das geradezu verhängnisvoll wird, wenn es Partner oder Partnerin mitbekommt. Im Frankfurter Fritz-Rémond-Theater wurde das flotte Stück jetzt von Frank-Lorenz Engel inszeniert: so, dass es ein ziemlicher Spaß ist, in manchen Momenten aber auch ein bisschen Mitleid entstehen kann mit den just Betroffenen.

Vier Paare sind verabredet in der schicken Mittelstandswohnung (Bühne: Steven Koop) von Eva und Richard, Elisabeth Ebner und Thomas Peters. Erstmals hat Paul, Fabian Goedecke, versprochen, den Freunden seine Freundin vorzustellen. Aber was für ein Pech: Sie muss mit Durchfall Zuhause bleiben, sie lässt sich entschuldigen. Und die Zuschauerin ahnt schon, welches Geheimnis Paul wird offenbaren müssen. Das heißt, eigentlich Lukas, Ralf Stech, der auf die bescheuerte Idee kam, mit Paul das Handy zu tauschen. Weil er doch jeden Tag um 10 ein Gutenacht-Bildchen bekommt ...

„Ich will vögeln!“

Gut getimt ist halb gewonnen. Das gilt für den Text, aber auch für die Inszenierung. Das Altenheim hat neue Infos – was, Charlotta, Carolin Freund, will Lukas’ Mutter ins Heim stecken? Die Angestellte von Taxiunternehmer Chris, Thomas Jansen, bittet dringend um Rückruf – sicher hat nur jemand seine Schicht nicht angetreten. Das glaubt auch Bianca, Maja Müller. Aber gleich nicht mehr: Er soll gefälligst öffentlich zurückrufen, ihr Chris. Bianca andererseits hat weiterhin Kontakt zu ihrem Ex, das findet Chris verdächtig. Nicht zuletzt, weil der Ex „Ich will vögeln!“ simst.

Am Ende zeigt Paolo Genovese noch kurz, was für ein netter Abend das hätte sein können, wenn die Sieben sich anders entschieden hätten. Das kann man sich eine Lehre sein lassen.

Fritz-Rémond-Theater , Frankfurt: bis 15. Januar. www.fritzremond.de

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