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In die Reihe ist eine Art Bewegung gekommen, in Danton (l.) noch lange nicht. Foto: Nils Heck
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In die Reihe ist eine Art Bewegung gekommen, in Danton (l.) noch lange nicht.

Staatstheater Darmstadt

„Dantons Tod“ in Darmstadt: Eine Erdrosselung

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Dantons Tod“, minimalistisch bis zum Verschwinden am Staatstheater Darmstadt.

Sperrt sich Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ nicht gegen die Konvention, bei Begrüßungsreden ausgerechnet und ausschließlich die anwesenden Politiker und Politikerinnen bis ins vierte Glied namentlich zu nennen? Sperren sich das freie Herz und der denkende Kopf nicht dagegen? Anscheinend nicht.

Auch im Staatstheater Darmstadt wird wieder vor komplett buchbarem Saal gespielt. Zusätzliche Mittelgänge erleichtern den Zugang, bei aller Zähigkeit des Einlasses sind die Problemlösestrategien der Theater eine helle Freude. Mit einem „Hausheiligen“ eröffne man die Spielzeit, so Karsten Wiegand, Intendant des Theaters am Georg-Büchner-Platz 1.

Anschließend passiert aber wenig. Christoph Mehler führt Regie und geht ein hohes Risiko ein, setzt auf die Wirkung und Intensität des Minimalistischen. Wirkt das Minimalistische nicht, und ist es auch nicht intensiv, so ist auf einmal nur ganz wenig da.

Daniel Scholz als Danton, Marielle Layher als Robespierre, Gabriele Drechsel als Julie, Jörg Zirnstein als Camille, Anabel Möbius als Philippeau und Mathias Znidarec als St. Just reihen sich auf einem weißen erhöhten Steg vor dem Eisernen Vorhang auf. In blauen Schüleranzügen mit kurzen Hosen, weißen Strumpfhosen, schwarzen Schuhen (Ausstattung: Jennifer Hörr) stehen sie da und sprechen – so dass, wer gerade das Schauspieleröffnungstrio in Frankfurt verfolgt, zwischen aufwendig ins Szenische versetzten Prosatexten nun ein Drama sieht, dem alles Szenische ausgetrieben ist. Geblieben ist eine Art Hörspiel, Dialoge, Gedanken und öffentliche Rede ganz losgelöst voneinander, dazu ambitionierte Musik von David Rimsky-Korsakow.

Danton, mit büchnerisierender Frisur und unendlicher, alles um ihn her lähmender Müdigkeit, hört lieber zu als widerstrebend selbst zu sprechen. Zu wispern. Robespierre redet lieber, gestikulierend wie im Rhetorikkurs, als zuzuhören. Dass sie in Darmstadt als Frau angesprochen wird, ändert weniger, als interessant wäre. Später Belebungsversuche. Die Angst etwa, durch die Erdkruste zu stürzen, durchfährt die kleine Reihe, immer wieder. Philippeau isst knallend einen Apfel.

Müsste ein Theater in einem solchen Fall, der ja offensichtlich keine Provokation, sondern konstruktiv und spannend sein will, nicht einen Kontrollmechanismus haben, der warnend rufen kann: Das ist zu wenig, das geht nicht auf, das lahmt, das läuft Gefahr auszusehen wie Schultheater? Anscheinend nicht.

Der Premierenbeifall gleichwohl: lange und angetan.

Staatstheater Darmstadt: 23. Sept., 2., 9., 30. Okt. www.staatstheater-darmstadt.de

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