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Rund um eine geblümte Couch entsteht ein Lügengespinst.

„Funny Money“

Und dann noch Schafzüchter

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Ray Cooneys „Funny Money“ in der Frankfurter Komödie.

Geld verändert die Welt – zumindest die von Henry Perkins. Der Buchhalter hat auf dem Nachhauseweg von der Arbeit in der U-Bahn nach dem falschen Aktenkoffer gegriffen. Statt des verschmähten Schinkensandwichs mit Remoulade finden sich 735 000 Pfund darin. Schnell mal aufs Klo eines Pubs und das Erbeutete gezählt, schon schmiedet der endlich für 30 Jahre harten Alltag mit einem Bonus Belohnte aufregende Zukunftspläne.

Der englische Autor Ray Cooney hat das Boulevardstück „Funny Money“ über finanzielle Verführungen und ihre Folgen verfasst. 1994 wurde es in London uraufgeführt. In der Inszenierung von Theaterchef Claus Helmer in der Frankfurter Komödie wurden nicht alle Altersspuren des Originals getilgt. Obwohl die Handlung hier in den Zeiten des Brexit spielt, zeugt die Suche des an seinem Geburtstag so überraschend reich beschenkten Protagonisten nach einer Fluggesellschaft in den Gelben Seiten von wenig modernen Kommunikationsmitteln.

Doch das sorgt nur zu Beginn des rasanter werdenden, knapp dreistündigen Abends für Unstimmigkeiten. Schnell ist diese kleine Diskrepanz vergessen, sonst käme man nicht mehr mit bei all den verwirrenden Verwandtschaftsverhältnissen, die sich der zur Flucht bereite Brite ausdenkt, um sich zwei Polizisten vom Hals zu halten. Einer von diesen, Davenport (Francesco Russo), entpuppt sich als Erpresser, der andere, Slater (Steffen Wilhelm), kommt im Glauben, eine aus der Themse gefischte Leiche sei die des Wohnungseigentümers, und will dessen Frau Jean zur Identifizierung bewegen. Die jedoch, von den plötzlichen Auswanderungsplänen ihres Gatten ebenso überfordert wie von der Aussicht, im Fokus eines Verbrechers zu stehen, der seine Mäuse zurück haben will, betrinkt sich.

Während also Madeleine Niesche in Pyjama und Plüschpantoffeln (Kostüme: Christine Glasner) lallend und sturzgefährdet um die geblümte Couch herum torkelt, die Ausstatter Tom Grasshof in der Mitte des Zimmers platziert hat, kommt auch das befreundete Ehepaar Betty und Vic Johnson (Iris Atzwanger, Dirk Waanders), ins Schwanken, was den Durchblick bei den Märchen betrifft, die Henry auftischt. Der scheint jedoch, von Stefan Schneider bis in die Details souverän gespielt, erstaunliche Ruhe zu bewahren im Chaos, das ein wartender Taxifahrer (Gabriel Spagna) unterfüttert.

Den Zuschauenden beschäftigt derweil die Frage, wann die Koffer erneut vertauscht werden, da sich bis zu drei gleichzeitig im Zimmer befinden. Die Geräuschkulisse in besagten Momenten lässt erahnen, dass einige noch aufmerksam waren. Doch was anfangs amüsiert, ist irgendwann nicht mehr lustig. Zu albern gebärden sich die Beteiligten; noch ein paar ausgedachte Schafzüchter mehr aus Australien können nichts ändern. Immerhin hält das Ende noch eine Überraschung bereit. Zumindest für all diejenigen, die nicht darüber nachdachten, wie sich das aus Lügenfäden gesponnene Knäuel auflösen könnte.

Komödie, Frankfurt: bis 12. Mai. www.diekomoedie.de

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