Fritz Rémond Theater

Cognac und Katzen für den Falschen

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Im Fritz Rémond Theater feiert Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ Premiere

Reichlich Cognac, Briefmarken, ein warmer Ziegelstein im Bett, dazu drei siamesische Katzen und ein bereitstehender Masseur. Im fiktiven Grand Hotel Bruckebeuren ist es für Hoteldirektor Kühne (Volker Conradt) selbstverständlich, jeder noch so absurden Vorliebe seines angekündigten Hotelgastes nachzukommen. Aber nein, Regisseurin Pia Hänggi bringt in ihrer Inszenierung der Erich-Kästner-Komödie „Drei Männer im Schnee“ aus dem Jahr 1934 keine Katzen auf die Bühne. Sie verlagert die alpine Luxussuite mitsamt den Katzen lieber ins Off des Frankfurter Fritz Rémond Theaters, wo ihre Inszenierung am Donnerstag Premiere feierte.

Stattdessen tut sich hinter dem Vorhang die Kulisse einer liebevoll gestalteten Hotel-Lobby im Charme der 1930er auf. Zum Entsetzen der Hausherren erscheint der Millionär Eduard Tobler, gespielt von Christian Fischer, allerdings nicht als vermögender Geheimrat, sondern mit zu kurzem Jackett und Pudelmütze auf dem Kopf. „Ich habe ja fast vergessen, wie die Menschen in Wirklichkeit sind. Ich will das Glashaus demolieren, in dem ich sitze“, erklärt er sich zuvor im trauten Heim, wo Tochter Hildegard so ganz und gar nicht begeistert ist von dem Vorhaben ihres Vaters. Sie warnt das Hotel lieber vor, dass sich hinter dem sichtlich schmucklos auftretenden Gast in Wahrheit ein millionenschwerer Geheimrat mit ganz besonderen Vorlieben verbirgt…

Verhängnisvoll für den weiteren Verlauf wird es jedoch, dass sie nicht dazu kommt, den falschen Namen – Schulze – zu nennen, unter dem sich ihr Vater im Grand Hotel Bruckebeuren angekündigt hat. So hält das Personal den arbeitslosen, nur durch Glück in einem Preisausschreiben in Bruckbeuren logierenden Fritz Hagedorn für den Millionär, der nun zu seinem Leidwesen plötzlich mit siamesischen Katzen das Bett teilen muss... Und freilich erwartet ihn auch, was ihm der Portier bei Ankunft ankündigt: „Morgen kommt der Masseur auf Ihr Zimmer.“ „Was will er denn?“ „Massieren.“ Patrick Dollmann spielt einen trottelig-naiven Hagedorn – Garant für den bis ins Letzte ausgespielten Witz der Kästner-Komödie.

Aber auch bei den übrigen Figuren zieht die Schweizer Regisseurin Hänggi sämtliche Register, lässt die im Bruckebeuren logierende Frau Casparius etwa vor lauter Schwärmerei für den adretten Hagedorn schnurren wie seine Miezen auf dem Zimmer. Auch eine zweite Lady hat es auf den vermeintlichen Millionär abgesehen, der es erwartungsgemäß versäumt, das Missverständnis einfach aufzuklären.

Stattdessen glaubt er, in Schulze einen Seelenverwandten gefunden zu haben, den das Personal derweil mit einem unbeheizten Dachzimmer vertröstet. Doch lässt sich der inkognito reisende Geheimrat nicht so leicht wieder vergraulen, lässt sich vielmehr gar als Handlanger des Hausherren einspannen – auch das verscheucht den scheinbar armen Schlucker nicht, genauso wie das Geld nicht, das die beiden Ladies zahlen wollen, damit „einer wie er“ ihrem Vergnügen „zwischen Schneeluft und Parfüm“ nicht weiter abträglich ist.

Auf die Pointe, die Gottfried Keller in „Kleider machen Leute“ formuliert, läuft auch das Kästner-Stück hinaus, halten es die beiden Hotelvertreter und mit ihnen alle ihre Gäste doch trotz Warnungen für schier unmöglich, dass sich ein Millionär dazu herablassen könnte, wie Schulze aufzutreten. „Die ganze Welt ist ein Theater“, sagt der Geheimrat an einer Stelle, worauf ihm seine Tochter entgegnet: „Ja, man sollte seine Rolle nur gut spielen.“ Nicht allen, die der Geheimrat vor den Karren seiner Maskerade spannt, gelingt das, womit sich der Knoten allmählich löst. Das Ensemble versteht sich derweil prächtig darauf, in die Vollen zu gehen – und erntete dafür bei der Premiere einen langanhaltenden Applaus.

Fritz Rémond Theater , Frankfurt: Bis 30. Dezember. www.fritzremond.de

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