Tanz

Co-Op Dance Company: Mit Rückversicherung

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Die Co-Op Dance Company im Frankfurter Kunstverein Familie Montez.

Wie Laurin Thomas und Ida Kaufmann, die Choreografen des halbstündigen Tanzstücks „One Whole Thing“ und Gründer der „Co-Op Dance Company“, rekrutieren sich alle Tänzer und der Live-Musiker aus Frankfurts Musikhochschule. Neben Thomas und Kaufmann tanzen Maria Kobzeva und Waithera Schreyeck, jazzig am Schlagzeug: Elias Bollinger.

Passend zum Ort der Aufführung im Kunstverein, einem unterbauten Brückenbogen einen Steinwurf von der EZB, ist Prapatsorn Sukkaset, die es von Bangkok an den Main zog, die einzige Städelschülerin (Architekturklasse). Als Designerin bringt sie Licht und Raum ins Tanzstück, was umso wichtiger ist, da es rein choreografisch nicht wirklich bahnbrechend ist. Denn neue Akzente sucht die Choreografie weniger im Bewegungsmaterial. Kaufmann und Thomas hangeln sich vielmehr rückversichernd durch historisch-zeitgenössische Stile aus Kontaktimprovisation und Modern Dance. Kombiniert mit dem mal bedächtig-leisen, mal bombastischen Jazz-Drummer, konnte man sich beim Anblick der Aktion fühlen wie im Déjà-vu von Tanz-Aufführungen der 1950/60er zwischen New Yorker oder kalifornischen Tanzbühnen: hier eine Ausdruckstanz-Wurzel, da die minimalistische Vintage-Abstraktion um Elemente von Handlungsballett.

Was völlig okay ist, schließlich hat die „Co-Op Dance Company“ seit 2017 schon allerhand auf die Beine gestellt und darf suchen. „One Whole Thing“ will ein „ganzes Ding“ von Tanzstück sein: nicht „nur“ Tanz und Bewegung, auch Bewegung in speziellen Räumen, Spiel der Interaktionen, auf und mit allen Zeichenebenen vom Klang bis zur Bühne und nicht zuletzt einer dialogischen Eingangspartie.

Keine Ahnung, wie weit Sukkaset Vorgefundenes nutzt. Zu sehen ist ein bürgerliches Interieur auf dicken Teppichen für die barfüßigen Tänzer im Blendlicht dreier Funzelwannen links, eingerahmt von und spielend mit Polstersofas und Sesseln bis zur Topfpflanze. Wie die Tänzer die Fläche ständig verlassen, abseits weiterspielen und wiederkehren, dürften die Zuschauer es auch halten, tun es aber nicht. Kaufmanns Kostüme aus unauffälligen Hemden, Blusen, T-Shirts zu langen Hosen geben dem alten Wohnstil mehr Gegenwart.

Setzt die Bühne auf Privatheit und sucht Räume für ausdrucksvollen, im Klang resonierenden Tanz, so leistet der Dialog über das Kreiseln der Routinen interpretative Vorgaben. Freeze-Momente akzentuieren Posen von Gewalt über Liebkosung bis Kraft und Jubel. Gesten kreuzen quer durch den Raum. Chorpassagen bauen sich eckig-befremdlich in der Privatheit auf und übersetzen den Klang. Crescendi und Beschleunigung setzen Strukturen. Eine lange Stange als Requisit kommt rotierend zum Einsatz wie ein Leuchtturm-Kegel. Ein Stück voll künftiger Entfaltungsmöglichkeiten.

Kunstverein Familie Montez, Frankfurt: 30. November. kvfm.de

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