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Die Clownin und ihre herzlose Freundin, die Jacke.

Kindertheater

Clownin – allein zu Haus

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„Das blaue Haus“, eine Produktion der Compagnie Augenmusik, kommt im Theaterhaus Frankfurt ganz ohne Worte aus.

An die Wand gelehnt, sitzt ganz zusammengekauert eine Clownin auf der Bühne des Frankfurter Theaterhauses. Zwei Koffer, eine Jacke, eine Pflanze liegen verteilt vor ihren Füßen. Sie steht auf, öffnet die mit einer Kordel verbundenen Koffer und holt daraus Baustellenhütchen, Klebeband, zwei Kissen, einen Zahnputzbecher und zwei Tassen. Was wird sie damit anstellen?

Die Clownin, gespielt von Daniela Krabba, die zusammen mit Asta Nechajute auch selbst inszeniert hat, denkt nach und vermisst, überdenkt und verbaut die aus den Koffern stammenden Utensilien. Mit den Bauhütchen bestimmt sie die Größe, mit dem Klebeband zeichnet sie die Wände und mit einem Wollknäuel das Dach. Doch irgendetwas ist seltsam. Als sie sich halbwegs eingerichtet hat, schenkt sie ihre ganze Aufmerksamkeit der sonderbaren Jacke, der sie innerhalb ihrer neuen Behausung einen ganz besonderen Platz gewidmet hat: Sie hängt die graue Bomberjacke an einen Kleiderbügel, angebracht an einem Stab, fest verankert in der Pflanze.

Ein ums andere Mal platziert die Clownin die Jacke aufs Neue. Sie tanzt mit ihr, steckt ihre Arme in die Ärmel und lässt sich von ihr umarmen. Sie spielt Schach und trinkt Tee. Immer mit der Jacke. Als würde sie an etwas festhalten wollen. Von der Jacke kommt naturgemäß nichts zurück. Sie ist das Herzstück der Behausung. Alles dreht sich um sie. Aber sie liegt nur reglos da, lässt sich drehen und wenden. Mehr auch nicht.

Am Ende nimmt die Clownin ihren ganzen Mut zusammen, zerstört das in Blau getauchte Haus und trennt sich von der Jacke. Das soll der letzte Tanz mit ihr gewesen sein.

„Das blaue Haus“, eine Produktion der Compagnie Augenmusik, kommt ganz ohne Sprache aus und erzählt die sonderbare Geschichte einer Clownin, die sich und das Alleinsein zu akzeptieren beginnt. Es geht um Mut und Angst, Zweifel und Erkenntnis. Konzipiert ist das Stück für Hörende und Gehörlose ab 5 Jahren.

Theaterhaus Frankfurt:25. September, 11 Uhr. www.theaterhaus-frankfurt.de

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