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„Cats“ in Frankfurt: Das große Miau

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Von: Judith von Sternburg

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„Jellicle Songs for Jellicle Cats“: „Cats“ in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Wonge Bergmann
„Jellicle Songs for Jellicle Cats“: „Cats“ in der Alten Oper Frankfurt. Foto: Wonge Bergmann © Wonge Bergmann

„Cats“ macht ausführlich Station in Frankfurt und zeigt sich in hervorragender Form.

Wen Katzen nervös machen, und dafür gibt es gute Gründe, wird auch in dem Musical „Cats“ staunen und gelegentlich zagen. Immer wieder zischen sie in den Saal hinein, auf leisen Sohlen durch die raffiniert in funkelndes Halbdunkel gesetzten Reihen – Gott segne den Beleuchter –, und weil sie im Dunkeln sehen können, sind sie plötzlich da und schon wieder weg. Der Abstand einer Katze ist immer genau so, wie die Katze ihn haben will. Für Menschen ist das viel schwieriger, man wird erst recht erdenschwer und ungelenk.

Nun kann man sagen, dass der Umgang mit dem Katzesein durch Andrew Lloyd Webber seit mehr als 40 Jahren unter Profis Tradition hat, und doch ist es wieder verblüffend, wie geschmeidig die Katzentruppe, scheu und marodierend zugleich, den Großen Saal der Alten Oper Frankfurt einnimmt – und für zweieinhalb Stunden beherrscht. Danach ist alles wie vorher, prosaisch und als wäre nichts gewesen. Feine Zauberei, herausragendes Handwerk.

„Cats“ basiert auf Gedichten von T.S. Eliot, beim ersten Mal ist die Abwesenheit einer Handlung verwirrend, beim zweiten Mal vielleicht enttäuschend, beim dritten Mal vielleicht langweilig, beim vierten Mal, diesmal, erschließt es sich jedoch voll und ganz. Die Katze in ihrer Wesensart ist der Star, von Eliot und auch Webber klug erkannt und tierbelassen. Zugleich ist eine kultische Ebene eingezogen, auch Katzen, wenn Menschen sie sich vorstellen, wollen sich sofort Begriffe von ihrem Dasein machen. Die ganze Nacht, die hier vorgeführt wird, ist durchaus geregelt, hierarchisch und mit Blick auf diverse Rituale. Lloyd Webbers Musik, oft bemeckert, aber dann ist man doch wieder eingewickelt, macht mit vielen Leitmotiven vor, dass es nicht die erste und nicht die letzte Nacht ihrer Art ist (die Band aus dem Off wird von Peter McCarthy geleitet). Gesungen wird sehr britisch – überhaupt liegt viel Gilbert & Sullivan im Raum – , gescheite Seitentitel halten auf Deutsch auf dem Laufenden, ohne eine Komplettübersetzung zu versuchen.

Von Nummer zu Nummer, eine sportlicher als die andere, drängelt eine Katze, drängeln zwei Katzen nach vorne. Mit einer Sprungkraft wie auf Spiralen. Am effektvollsten der lange sich ankündigende Auftritt des schlimmen Macavity, einem außerordentlich bösen Kater, der einen Kurzschluss erzeugt, dass einem schier das Herz stehenbleibt. Sehr beliebt auch der elastische Mr. Mistoffelees, der den von Macavity entführten Old Deuteronomy wieder beizaubert. Das ist so ein Versuch, doch noch eine Art Handlung zu finden, die Kinder erfreuen und Erwachsene freundlich lächeln lässt. Eigentlich ist alles nur ein Vorwand, um der Katzentruppe in Ton und Bild zu erleben, alles tradiert und reproduziert und wieder frisch wie am ersten Tag.

Auch die Musicalbranche hat Jahre hinter sich, die sie sich in ihren schlimmsten Alpträumen gewiss nicht hätte vorstellen können. Dieser Abend in seiner Fitness und Straffheit hat schon Züge einer Wiederauferstehung, nicht nur weil Grizzabella gen Himmel fährt, hin zu einem neuen, besseren Katzenleben – und da sie vorher in aller Ruhe „Memory“ gesungen hat, ist man ganz aus dem Häuschen. Als das Publikum noch lange nicht zu Ende geklatscht hat, geht das Saallicht schon an. Alles ist hier Konzentration und Punktlandung. 21 Vorstellungen sind in den nächsten Tagen in Frankfurt geplant.

Alte Oper Frankfurt: bis 7. Januar. www.alteoper.de

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