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Wer Ohren hat, hört auch was.
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Wer Ohren hat, hört auch was.

„Minimal Animal“

Auf der Carrera-Insel

  • VonMagnus Rust
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Das Theaterhaus Frankfurt zeigt Musiktheater für ganz kleine Kinder.

Die Bühne: Eine beiges Quadrat. In jeder Ecke ein Metallständer. In der Mitte ein delliges Oval, das die Silhouette einer Carrera-Bahn sein könnte oder eine Flussinsel oder ein Platz mit Burggraben; es ist der Phantasie des Publikums freigestellt. Uta Nawrath betritt im Blaumann, Günther Henne im Grünmann die Bühne. Als neugierige Putzkolonne betrachten und beputzen sie das minimalistische Ensemble. Sie greifen zu Besen, Feudel und Plastiktüte und gewinnen daraus ihre kurzlebigen Percussion-Rythmen.

Aber sie gehen nicht nur ihrer Arbeit nach, sondern stecken schnüffelnd ihre Nasen in die Objekte des zu putzenden Raums. Dabei finden sie immer wieder Gebrauchsanweisungen aus Papier, die herrlich simpel symbolisieren, für was sie benutzt werden sollen: Sind in die Anleitung die Umrisse von zwei Gummistiefeln geschnitten, beschreiben sie die Benutzung eben dieser. Saubermachen, Formen zuordnen, Anleitungen folgen, der Anfang des 35-minütigen Stücks für Kinder ab zwei Jahren, zeigt Neugier im geordneten Rahmen. Doch die Ordnung ist vielmehr Vergleichsfolie für das, was dann passiert: Die mucksmäuschenstillen Mäuschen entdecken zwei Ohrenpaare, die sie jeweils anlegen. Sie beginnen zu hören. Straßenlärm taucht auf, Kühe oder Ziegen werden nachgeahmt. Doch die Tier-Mimikry bleibt zum Glück die Ausnahme. Mit Abständen betreten die beiden viermal jenen Carrera-Insel-Imaginationsraum, wo sie (und das Publikum) mit der minimalen Musik von Steve Reich und Terry Riley konfrontiert werden, oder diese selbst performen. Das Hören bricht in die zweckgebundene und zielgerichtete Welt.

W ird es interessant, stehen die Kinder von der Tribünenbank auf und beugen sich Richtung Bühne. Denn je näher am Geschehen, umso wahrscheinlicher der Erkenntnisgewinn. Der Körper wird zum Wissensdetektor. In einer Szene fallen die beiden Protagonisten im lila-blauen Licht sogar in eine Art Trance, die Musik überwältigt sie, so wie einige Kinder mitklatschen wollen, als die Performer mit Kastagnetten aus Karton und Kronkorken Reichs „Clapping Music“ anstimmen.

Doch ein bisschen Unschärfe bleibt immer, zum Beispiel, wenn Nawrath plötzlich zum programmierbaren Roboter wird. Die Narration von Anthony Haddons „Minimal Animal“ ist ganz so durchschaubar also nicht. Nicht nur die Kinder, sondern auch die sogenannten Erwachsenen müssen hei diesem Stück mitgrübeln und phantasieren.

Am Ende taucht eine bunte Armee aus Gummistiefeln auf. So wie die DIY-Kastagnetten oder Besen sorgen sie durchgängig für einen Realitätsbezug. Gerade darin liegt die Kraft des Theaters mit einfach(st)en Mitteln. Aus Alltag wird Ereignis. Eine Anleitung zum Kastagnette-Bau liegt dem Programmheft obendrein bei.

Die ersten Worte des Stücks erfolgen erst nach dem Stück: Uta Nawrath bittet die Kinder nach vorne, sie dürfen „mit Schuhe aus auf die Bühne“. Dringende Fragen werden auf der Stelle beantwortet, und die Performance findet ihren reibungslosen Übergang in die Pädagogik.

Theaterhaus Frankfurt: 20.-24. November. www.theaterhaus-frankfurt.de

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