Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Elissa Huber als Sally in „Cabaret“.
+
Elissa Huber als Sally in „Cabaret“.

„Cabaret“

„Cabaret“ in Wiesbaden: Im Rad der Notwendigkeiten

  • VonBernhard Uske
    schließen

Eine in jeder Hinsicht beachtliche „Cabaret“-Inszenierung im Staatstheater Wiesbaden.

Es ist eines der Musicals, die sich des Themas von Kunst und Unterhaltung vor dem Hintergrund politischer Repression annehmen. „Sound of Music“ mit der Volkslieder singenden Trapp-Familie war der Genotyp dieses Genres, 1959 von Rodgers und Hammerstein geschaffen. Ebenso wie das sieben Jahre später sich thematisch hier anlehnende Musical „Cabaret“ Masteroffs, Ebbs und Kanders dann verfilmt und mit Oscars überhäuft.

„Cabaret“ kennt jeder mit Liza Minnelli in der Regie von Bob Fosse. Aber das Musical ist vergleichsweise weniger bekannt geworden. Die Produktion des Berliner Theaters des Westens mit Stars wie Hildegard Knef und Gisela May sowie dem unersetzlichen Wolfgang Reichmann als Conférencier aus den späten 80er Jahren ist Referenz geworden. Sie hielt sich eng an den Stoff und präsentierte die zeitgeschichtliche Rahmung, die zum Scheitern von zwei Beziehungen führt, knapp und unbelehrend. Referenz für deutsche Sprachfassungen, wie sie jetzt als Premiere im Staatstheater Wiesbaden gegeben wurde. Und die Regie Tom Gerbers „nach einer Inszenierung von Iris Limbarth“, wie es lakonisch auf dem Besetzungszettel hieß, hat das Zeug, dieser Referenz zu entsprechen.

Die Drehbühne bietet verschiedene Spielflächen dank locker verbundener großer Torrahmungen mit und ohne Glühbirnenbesatz. Sie können sowohl revueliches Berlin-Babylon als auch skelettartige Ruinosität evozieren (Bühne Bettina Neuhaus). Die Relativierung der klaren Fronten in der Notwendigkeit, sein Leben zu retten: eine Art Rad und Drehwurm der Möglichkeiten und Notwendigkeiten, der Unfähigkeiten und der Gelegenheiten kommt so beiläufig ins Bild.

Das Entscheidende des Abends im Großen Haus aber war seine schauspielerische und musikalische Seite. Großartig die nach dem Club des Geschehens benannte 11-köpfige Kit-Kat-Band, die unter der Leitung Levi Hammers stand. Das hatte durchschlagenden Schwung, aber brachte auch Zurückhaltung und Subtilität in den versonnenen, reflektierenden Gesangspartien. Alles ohne die öfters bei solchen Gelegenheiten erlebbare Plattheit und Starre. Das Drehen an der Affekt-Schraube, die „Cabaret“-Komponist John Kauder vorgab, ging bruchlos vonstatten und bot schöne Steigerungen.

Gesanglich hat man mit Elissa Huber als der musikalischen Hauptfigur Sally Bowles, des Stars des Kit-Kat-Clubs, einen Glücksgriff getan. Von kühlem Sentiment bis zur, wenn auch wie alles elektronisch verstärkt, hallenden Röhre konnte sie das gesamte Spektrum dieses Genres bedienen und war auch schauspielerisch und im Dialog beachtlich.

Getoppt wurde ihr szenisches Spiel nur von Evelyn M. Faber, dem Zimmer vermietenden älteren Fräulein Schneider, das in seinem Alltagsrealismus und seinem Wissen um die Grenzen der gefälligen Floskeln vom hehren Widerstand beeindruckte. Ihre Sprechstimmführung war beispielhaft und ihr zurückhaltender Gesang bezeichnend.

Obsthändler Herr Schultz, der mit Fräulein Schneider Verlobung feiert und als Jude gleich an den neuen politischen Realitäten scheitert (das Libretto nimmt es mit den drei Jahren, die in der Handlung noch bis zur Machtergreifung bleiben, nicht so genau) hatte herrliche Züge von Loriots Opa Hoppenstedt. Emil Ludwig, der junge NSDAP-Genosse, wurde nicht zu klischeehaft vertölpelt.

Und Cliff, der junge US-amerikanische Möchtegern-Schriftsteller, der zuletzt dank der politischen und seiner privaten Beziehungserlebnisse mit der kurzverlobten Sally doch noch zu seinem Stoff kommt, hatte Profil. Ebenso der gestrenge Conférencier in Gestalt der maskulinisiert maskierten Lina Habicht. Kleinere Rollen, Choristen, Tänzer, Statisten: alles gut.

Staatstheater Wiesbaden: 23., 27. Oktober, 16., 23. Dezember. www.staatstheater-wiesbaden.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare