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Christina Tzatzaraki, Christoph Kohlbacher, zwischen ihnen die Feuerzeugwaffe: „Bunbury“ in Wiesbaden. Foto: Karl und Monika Forster
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Christina Tzatzaraki, Christoph Kohlbacher, zwischen ihnen die Feuerzeugwaffe: „Bunbury“ in Wiesbaden.

„Bunbury“ in Wiesbaden

„Bunbury“ am Staatstheater Wiesbaden: Backpfeifen für Oscar Wilde

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Johannes Lepper versetzt in Wiesbaden „Bunbury“ in den Komödienstadl.

Schmetterlinge an den Bühnenwänden, Schmetterlingsabbilder wie auf einer raren Tapete. Ah, denkt man gleich beim Betreten des Zuschauerraums im Wiesbadener Kleinen Haus, es wird um die unübertroffene Leichtigkeit, die Gaukelhaftigkeit der Wildeschen Dialoge gehen. Ah, interessant, denkt man weiterhin, als Christoph Kohlbacher splitterfasernackt über die spärlich möblierte Bühne (Bühnenbild Robert Schweer) schlendert, ein gelangweilter, aber jedenfalls nicht frierender Algernon Moncrieff. Ah, denkt man schließlich, als er sich anzieht, es wird wohl um die Rollen gehen, die diese Menschen mit Nonchalance anlegen.

Aber dann packt Regisseur Johannes Lepper auch schon den großen Slapstick-Hammer aus und schafft es, dass das Publikum ausgerechnet bei Oscar Wildes „Bunbury“ fast nichts zu lachen hat. Und wenn es lacht, dann nicht über den Text, dieses elegante, dabei herrlich böse Feuerwerk.

Es beginnt damit: Algernon und Freund John Worthing, Matze Vogel, balgen sich um Gurkensandwiches. Eine Gabel landet in Jacks Augapfel, haps, da schluckt ihn Algernon auch schon runter. Später schlagen sie sich um Muffins. Tauschen Backpfeifen. Gwendolen, Lina Habicht, muss entweder kreischen (aus Wut, Angst hat diese Frau nicht) oder herumstampfen oder mit Ernst/John gemeinsam auf einer Mundharmonika spielen, zweimündig. Eine ebenfalls resolute Cecily, Christina Tzatzaraki, schießt Blumensträuße vom Himmel, erschreckt sich aber trotzdem angesichts Ernsts/Algernons Feuerzeug-Waffe. (Falls Sie es vergessen haben, weil man „Bunbury“ nicht gerade oft zu sehen bekommt: Beide Frauen haben sich ausdrücklich in einen Ernst verliebt, was die mit der Wahrheit lässig umgehenden Herren in Verlegenheit bringt.)

Lady Bracknell, Evelyn M. Faber, ist mit dunkler Sonnenbrille „Vogue“-Chefin Anna Wintour nachempfunden (Kostüme: Anne Buffetrille). Miss Prism, Ingrid Domann als Gouvernante mit Gretchenkranz, muss gegen Ende das rosa Häschen geben, mit Reitgerte in der Hand, denn selbstverständlich steht Pfarrer Chasuble, Christian Klischat, darauf, gezüchtigt zu werden. Ein Würstchen wird anzüglich abgeschleckt. Den Herren wird zwischen die Beine gegriffen. Zu „Time of My Life“ aus „Dirty Dancing“ und Schwaden von Theaternebel rocken Cecily und Algernon ab. Butler Lane, der Kunstturner und Schauspieler Dino Niethammer, gibt artistische Einlagen: alle Achtung, einerseits; im Kontext von „Bunbury“ völlig sinnlos, andererseits.

Stil? Form? Timing?

Im Leben ist das Entscheidende, so Gwendolen (und Oscar Wilde dürfte sich ihr anschließen), „nicht Wahrheit, sondern Stil“. Auf der Bühne, gar wenn die Wildeschen Esprit-Schmetterlinge gaukeln, zählen der Stil, die Form, nicht zuletzt das Timing doppelt und dreifach. Dieser Gesellschaftskomödien-Text ist eine funkelnde Oberfläche; gleichzeitig stellt er trotz aller spielerischen Scharfsinnigkeit und Ironie die Sprechenden bloß in ihrer Oberflächlichkeit.

Am Ende der Wiesbadener Inszenierung teilt man den Wunsch Gwendolens und Cecilys nach Ernst, viel mehr Ernst. Oder jedenfalls nach dem feinen britischen Understatement, den kühlen Nadelstichen. Hier aber ist man im Komödienstadl gewesen, in dem statt Schmetterlingen Watschen fliegen.

Staatstheater Wiesbaden: 9., 15., 19., 20., 22. Dezember. www.staatstheater-wiesbaden.de

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