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Besitzergreifende Männer: Hier Osmin mit Blondchen, Lin Lin Fan und Bjarni Thor Kristinsson am Staatstheater Kassel.
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Besitzergreifende Männer: Hier Osmin mit Blondchen, Lin Lin Fan und Bjarni Thor Kristinsson am Staatstheater Kassel.

„Entführung“ in Kassel

Die Braut, die sich nicht traut

  • VonGeorg Pepl
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Mozarts „Entführung aus dem Serail“ am Staatstheater Kassel: Regisseurin Adriana Altaras stellt ihren Sinn für sprudelnde Situationskomik unter Beweis.

Konstanze ist eine Braut, die sich nicht traut: Im blütenweißen Hochzeitskleid entzieht sie sich ihrem Bräutigam Belmonte und entschwindet in ein geheimnisvolles Zelt. Mit dieser eigenwilligen Pointe lässt Regisseurin Adriana Altaras am Staatstheater Kassel Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ beginnen. Konstanze wird nicht etwa von Piraten in den Orient entführt, sie begibt sich freiwillig dorthin. Denn wie wäre es, wenn man einmal ein anderes Leben ausprobieren könnte?

Die abgewandelte Vorgeschichte zur Handlung hat System, erachtet Altaras doch das 1782 uraufgeführte Singspiel als eine Versuchsanordnung zum Thema Treue und als ein Vorspiel zur später entstandenen Oper „Così fan tutte“. Konstanze ist zwischen zwei Männern hin- und hergerissen: Während Belmonte, der ihr in den Orient folgt, zwar smart, aber etwas brav daherkommt, präsentiert sich Bassa Selim (kernig in der Sprechrolle: Dirk Schäfer) als ein zwischen heftigen Gefühlen schwankender Kerl mit beträchtlichem emotionalen Feuer.

Am Schluss wird Konstanze bei der Reprise der Hochzeitsszene die Entscheidung treffen. Doch zuvor beweist Altaras vor allem ihren ausgeprägten Sinn für sprudelnde Situationskomik. Das Bild der islamischen Welt und der Gegensatz zwischen dem Westen und dem Orient sind in ihrer Inszenierung zwar präsent, sie werden aber nicht einseitig politisch instrumentalisiert.

Die Festung Europa

Voll verschleierte Statistinnen (Kostüme: Nina Lepilina) und Maschinengewehre gibt es ebenso wie ein launiges „Pulp Fiction“-Zitat, als der betrunkene Aufseher Osmin im Kaftan einige Tanzschritte à la John Travolta hinlegt. Einen symbolhaften Mehrwert bekommt das unterhaltsame Treiben indes durch die von Etienne Pluss geschaffene Bühne: Links befindet sich eine hohe Mauer – wird die Festung Europa abgeschirmt? In der Mitte steht ein zeltförmiges Karussell, das abwechselnd von verschiedenen Protagonisten gedreht wird. Alles ist in Bewegung, nichts ist beständig, auch nicht die Liebe.

Vollends überzeugend gerät die erste Kasseler Operneinstudierung der Dirigentin Anja Bihlmaier. Die 1. Kapellmeisterin sorgt am Pult des Staatsorchesters für rhythmische Spannung, geschärfte Akzente, aber auch feine Transparenz – ein profilierter Mozart-Ton. Auf Herzenswärme wie virtuose Koloraturen versteht sich Sopranistin Hulkar Sabirova in der so differenzierten Partie der Konstanze – allein die hohe Stimmlage klingt nicht immer frei von Anstrengung.

Der Bass Bjarni Thor Kristinsson ist als Osmin in jeder Hinsicht eine Wucht. Hinzu gesellen sich der hell tönende Tenor Tobias Hächler als Belmonte und Johannes Preissinger als verlässlicher Pedrillo. Bleibt noch eine Glanzpartie zu erwähnen: Auch wenn die chinesische Sopranistin Lin Lin Fan ein „Schwarzchen“ und keine „Blonde“ ist, lässt sie als kecke Kammerzofe keine Wünsche offen: Als quirlige Powerfrau mit strahlender Stimme zeigt sie Osmin, wer hier die Hosen anhat.

Staatstheater Kassel: 25. Juni, 3., 8. und 14. Juli.

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