Christina Geiße als Branka in „Branka“ am Schauspiel Frankfurt.
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Christina Geiße als Branka in „Branka“ am Schauspiel Frankfurt.

Frankfurt

„Branka“ im Schauspiel Frankfurt: Die einen heulen hier, die anderen da

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Zum Ende einer denkwürdigen Spielzeit am Schauspiel Frankfurt: Christina Geiße noch einmal als Branka.

Flossen doch noch einmal Tränen? Jedenfalls wurden Augen auf beiden Seiten feucht, als Christina Geiße mit Brankas Monolog fertig war und diese seltsame Spielzeit auch am Schauspiel Frankfurt zu Ende ging. Die Kammerspiele noch einmal ausverkauft, aber das waren doch keine 25 Leute, die jedoch nach Kräften applaudierten und auch Bravo riefen, und Geiße winkte von der Bühne rüber und spielte Fernumarmung, und so geht das alles doch wirklich nicht mehr weiter.

„ Branka“ ist ein Text von Angelika Klüssendorf und gehört zur Monodrama-Serie „Stimmen einer Stadt“, einem vom Schauspiel und vom Frankfurter Literaturhaus initiierten, von Intendant Anselm Weber inszenierten Projekt, das namhafte Autorinnen und Autoren mit Menschen von hier zusammenbringt. Auf Brankas Spur kann man schon kommen, Klüssendorf begegnete der Wirtin laut „Branka“ als Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim (das war sie 2013). Branka kennt sie alle, die nervtötenden Stadtschreiber, Klüssendorf aber setzt ihr besonders zu, die fragende Stimme kommt streng aus dem Off. Und bei allen Widerständen seitens Brankas: Es funktioniert, sie kommt ins Erzählen. Branka ist hart drauf – „Ich heule nur, wenn ich ins Kino geh“ –, aber die Stadtschreiberin ist ebenfalls hart drauf. „Der Stadtschreiberin ist nicht zu trauen“, weiß Branka.

V ieles davon nur ein Spaß, vielleicht. Das Schillernde ist Konzept, und mit dem Entstehen der Monodramen ist das Leben ohnehin Literatur geworden. Auch Brankas Kritik, die Worte der Stadtschreiber wirkten auf sie, als wäre kein Leben darin, ist ein Teil dieser gar nicht leblosen Literatur. Geiße fand beim Wiedersehen – Premiere war vor gut einem Jahr – erneut einen perfekten Weg zwischen dem Klischee von der grobianischen Wirtin und dem unbekannten Menschen hinter dem Raubkatzen-Shirt. Geiße, Branka, Klüssendorf, hier lässt sich keine in die Karten sehen.

„Stimmen einer Stadt“hätte mit den Teilen VII–IX inzwischen abgeschlossen sein sollen, die Theaterschließung kam dazwischen. Neuer Uraufführungstermin für die Beiträge von Martin Mosebach, Lars Brandt, Zsuzsa Bánk: 13. September. www.schauspielfrankfurt.de

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