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Boris Nikitin.
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Boris Nikitin.

Mousonturm

Boris Nikitin & der Lockdown: Die sprechende Lampe

  • VonMarcus Hladek
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„Lernen aus dem Lockdown“ als Theater-Webseminar des Frankfurter Mousonturms.

Wie schön, wenn einer wie der Dramatiker Boris Nikitin, der sein Solo „Versuch über das Sterben“ auch digital aufbereitet hat, mit dem Digitalen zugleich so vertraute Probleme hat.

Als der Mousonturm jetzt via Zoom den Essayband „Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über Freies Theater“ (Alexander-Verlag) vorstellte, der im Prinzip das 30-jährige Jubiläum des Impulse-Theaterfestivals ersetzt, da war es Nikitin, der im Lauf der 90-minütigen Diskussion vor 50 unsichtbaren Gästen zugab, der Lockdown habe ihn veranlasst, sich aus dem Internet privat „komplett zu reduzieren“. Es mache ihn nervös und „wuschig“. Allerdings, so Nikitin, sollte man wissen, was man da ablehne, wenn man so oldschool sei wie er und das Internet nur noch als Arbeitsplatz nutze. Mit der Konzentration aufs Schreiben habe er es zudem leichter als Rosa Wernecke vom „Swoosh Lieu“-Trio im Zoom-Fensterchen neben ihm: „Ihr arbeitet ja viel mit Technik. Eine Lampe spricht eben nicht zurück und ist schlecht gelaunt. Man ist ihr nicht verpflichtet.“

Wer für das „Webinar“ mit Nikitin, Wernecke sowie Wilma Renfordt (Impulse) und Falk Schreiber zum ersten Mal „Zoom“ betrat, teilte vielleicht sogleich Renfordts Erfahrung vom festgefrorenen Bildschirm. Manchem mochte zudem die Konzentration beim späteren Abhören der Tonaufnahme leichter fallen als das Zuschauen auf Zoom in Echtzeit. Streamten vor der Diskussion melancholische Standbilder leerer Theaterräume, so eröffnete die Unterhaltung ihrerseits mit leeren Präliminarien, bevor sie in die Vertikale überging und stärker tiefenschürfte.

Nikitin wagt Berührung mit seinem Material

Wie war das mit dem Kollektiv als Ersatz-Zuhause im Lockdown, lautete eine Frage: wie mit der Berührung durch Theater, der Immunität oder Verwundbarkeit zwischen Machern und Publikum? Was Wernecke in den bekannten O-Tönen und der „Demokratie der (Theater-)Mittel“ bei „Swoosh Lieu“ vorab integriert schien, stellte sich für Nikitin noch als Problem dar. Bühnensätze Nikitins wie „Ich will nicht berührt werden“ und die Dynamik von Nähe und Distanz, die er auslote, seien für ihn so zentral wie die neuere Tendenz, mit seinem Material Berührung zu wagen, auch wenn nicht alles autobiografisch oder dokumentarisch sei. Rückzug in sich und „Coming out“: kein Widerspruch bei ihm. „Swoosh Lieu“ hingegen empfindet sein Kollektiv als „Schutzraum“, den allfällige Ausschlüsse selbst auf dem dünnen Eis der Theaterszene notwendig machen.

Der Zuschauerfrage nach Anpassungen an den Lockdown hielten Nikitin sein „Planungsglück“ im Pestjahr („Die Kugeln schießen so an mir vorbei“) und Wernecke die technophilen Formen von „Swoosh Lieu“ entgegen, die völlig aufs Digitale auszurichten kein großer Schritt mehr sei und doch ästhetisch glaubhafter anmute als nur abgefilmtes Live-Theater im Web. Belastend bleibe, dass die Pandemie „immer so konservative Modelle als Orte der Sicherheit“ hochspüle. Fast das Schlusswort hatte Nikitin, als er „Logiken und Politiken“ der digitalen Öffentlichkeit mit ihren notorisch aggressiven Tendenzen „unheimlich“ nannte.

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