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Schaubühne Berlin "Leonce und Lena"

Blubbern, bis das Licht ausgeht

Eine Inszenierung, die einfach nicht den richtigen Boing hat: Patrick Wengenroth inszeniert Büchner an der Berliner Schaubühne.

Von Ulrich Seidler

Saisoneröffnung in der Schaubühne! Herbst! An die Arbeit! Ächz! Bitter lächelnd schlurft Ulrich Hoppe als Leonce herein! Zum Gähnen ist er zu müde. Überdruss, schlechte Laune und Kalziummangel (vermutlich infolge einer Fehlernährung, die wiederum einer Laktose-Unverträglichkeit geschuldet ist) haben seine Knochen zermürbt; er bugsiert sie irgendwie auf die schräge runde Bühne und stapelt sie seufzend übereinander, so dass er zu einer Art aufrechter Position kommt. Von Stehen zu sprechen, wäre übertrieben, selbst Lümmeln klingt zu straff.

Fast schon verzweifelt ist die Resignation, mit der Hoppe in der Prinzenrolle kalauerhalber eine Prinzenrolle (die Kekse) auf dem DJ-Pult absetzt. Und wie er, der Gebrochene, Erschlaffte, Abgefuckte, tatsächlich noch mehr in sich zusammensackt vor Scham über diesen Regie-Einfall von dem für das leichtere Programm zuständigen Schaubühnen-Pop-Diskurs-Theater-Clown Patrick Wengenroth.

Also ein bisschen lustig ist das. Und als man gerade darüber nachsinnt, ob es jetzt vielleicht weniger ironisch gemeint ist, als Hoppe ein froschgrünes Suhrkamp-Taschenbüchlein herausholt und eben jenen Big-Sinn-Zerstör-Text vorliest, zu dem sich Rainald Goetz in Klagenfurt die Stirn aufschlitzte (was auch schon über dreißig Jahre her ist), muss man feststellen, dass er das nur tut, um die Zeit zu überbrücken, bis die Kollegin auftritt: Jule Böwe als Valerio mit Narrenkappe (und fast alle anderen Rollen).

Sie plumpst auf die Bühne

„Schulljung“, blafft sie und stellt schwankend klar, dass sie nur leicht angetrunken sei, Betonung auf „leicht“. Selten ist jemand so Graziles ungraziler auf eine Bühne geplumpst. Später findet sich noch die aufgezogene Blinker-Blinker-Lena (Iris Becher) ein, die sich auch langweilt, weswegen sie zu Leonce passt. Text. Knutschen. Hochzeit. Ein Sack Konfetti platscht auf die Bühne. Dann wird weiter geblubbert, bis das Licht ausgeht.

Zynismus, Frühvergreisung, Depression, Nihilismus, Wohlstandsekel, Sexgeplänkel – darum geht es bei Büchners bösem Lustlosigkeitslustspiel, und all das findet sich auf den allerersten Blick in der Wengenroth’schen Inszenierung wieder, zu Humorzwecken auch auf der selbstreflexiven Ebene und angereichert mit Musik.

König von Scheißegalien

Wengenroth illustriert, wovon die müde Rede ist, mit einem sauber ausgesuchten Soundtrack von elektropoppigen Coverversionen, dargebracht von Matze Kloppe am Pult und unterm Daft-Punk-Helm: „Es ist nicht leicht, grün zu sein“ (Kermit, der Frosch), „Fick dich ins Knie, Melancholie“ (Gisbert zu Knyphausen) oder „König von Scheißegalien“ (Udo Lindenberg). Letzteren zum Beispiel performt Wengenroth selbst, mit schwarzem Schnauzbart, blinkendem „Fame“-Schriftzug auf der Brust und bis auf Strumpfbänder nackten, ziemlich trampligen Beinen.

Apropos Beine: Über diesen Abend trifft zu, was Patrick Wengenroth einmal im öffentlichrechtlichen Kulturfernsehen über eine Revue des Friedrichsstadtpalastes sagte: Sie habe, obwohl alles wie immer gewesen sei, nicht den richtigen Boing.

Schaubühne am Lehniner Platz , Berlin: 7., 19., 20. September, 6., 7., 10., 12. Oktober. www.schaubuehne.de

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