Frauenquote

Den Blick zweimal verschieben

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Das Berliner Theatertreffen führt eine befristete Frauenquote ein.

Wo kommen wir denn da hin? Wenn man das denkt, sollte man kurz durchschnaufen. Das Berliner Theatertreffen will in den nächsten beiden Ausgaben die Frauenquote einführen. Die Jury verpflichtet sich, bei der Kür der zehn „bemerkenswertesten“ Inszenierungen mindestens fünf auszusuchen, die von Frauen oder mehrheitlich weiblichen Regie-Teams erstellt wurden. Schluck.

Man hatte sich schon daran gewöhnt, dass nach der alljährlichen Bekanntgabe der Zehnerauswahl die Wellen der paritätischen Kritik durch die Kommentarspalten rollen. Zuerst war es stets der Frauenmangel unter den Regisseuren, der beklagt wurde. Der ist, wie so oft, strukturbedingt, das Bild der Zehnerauswahl repräsentiert den männerlastigen Regiebetrieb. Bei Maske und Kostüm dürfte das Verhältnis umgekehrt sein. Damit kann man sich prima herausreden – aber es ändert nichts an der Ungerechtigkeit.

Die besteht auch bei anderen Parametern, und auch diese werden beklagt: Es gibt alljährlich zu wenige Produktionen aus dem Osten, aus der Provinz, aus der freien Szene, von Menschen mit dunkler Hautfarbe oder Migrationshintergrund. Wenn man alle Ungerechtigkeiten gleichzeitig aus der Welt schaffen wollte, müsste man mindestens 100 Inszenierungen einladen, auch das spräche gegen die Frauenquote. Schließlich kommt das Totschlagargument der Prinzipienreiter: Die Kunst sei frei und stehe über allen Realitäten ihres Zustandekommens.

Aber so prinzipiell ist die Maßnahme gar nicht, sondern auf zwei Jahre beschränkt. Vielleicht erweist sich das Instrument dann als überflüssig, weil sich keine männergemachten Produktionen mehr finden. Vielleicht sind dann andere Minderheiten dran. Auf jeden Fall wird die Jury gezwungen, den Blick zu verschieben. Mal sehen, was sie sieht.

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