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Der scheidende Intendant des Berliner Ensemble, Claus Peymann, ist am Mittwoch wieder schwer in Fahrt.
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Der scheidende Intendant des Berliner Ensemble, Claus Peymann, ist am Mittwoch wieder schwer in Fahrt.

Claus Peymann

„Das Berliner Ensemble wird ausgelöscht“

Nur die anderen sind schuld: Claus Peymann, scheidender Intendant des Berliner Ensemble, wettert heftig gegen die Berliner Kulturpolitik. Und gegen seinen Nachfolger Oliver Reese.

Von Dirk Pilz

Früher, sagt Claus Peymann auf dem Pressegespräch am Mittwoch im Berliner Ensemble, habe er alle drei, vier Monate eine Pressekonferenz gegeben, es aber bald gelassen: „Es waren keinerlei Wirkungen zu erkennen.“

Die Berliner Presse sei ihm ja von Anfang an „mit Misstrauen, teilweise mit Hass“ begegnet. Aber jetzt rede er doch, er müsse einfach. Am Ende wird er die versammelte Schar gar um Hilfe bitten: „Ganz habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben.“ Aber fast.

Anderthalb Stunden spricht Peymann, vor allem über die Berliner Kulturpolitik.

Schmuck- und würdelos gehe sie mit den Künstlern um. Mit dem „Oberhemd“ Tim Renner, Kulturstaatssekretär, rede er sowieso nicht mehr, „das ist sinnlos“. Und Michael Müller, im Nebenberuf Kultursenator, sei zwar „nicht unsympathisch“, aber „vollkommen ahnungslos“ in Sachen Kultur. Berliner Kulturpolitik? „Da ist nichts. Total null.“

Das hat Peymann in den vergangenen Monaten immer wieder gesagt, diesmal aber hat sein Wüten einen konkreten Grund. Im Herbst 2017 wird Oliver Reese, derzeit noch Intendant am Schauspiel Frankfurt, sein Nachfolger und Peymann mit 80 in Rente gehen. Das sei kein Problem, „irgendwann muss man eben aufhören“. Das Problem sei, wie Reese den Intendantenwechsel gestalte.

„Hier bleibt niemand“, schimpft Peymann erst, auf Nachfrage gibt er dann an, dass von den gut 80 Angestellten im künstlerischen Bereich (darunter 35 Schauspieler) 65 bis 70 gehen müssten. „Das Berliner Ensemble wird ausgelöscht wie der Palast der Republik“, selbst das berühmte BE-Archiv wolle Reese aus dem Haus entfernen. Dass Reese einen Neuanfang wolle, verstehe er zwar, als Intendant habe man aber auch eine soziale Verantwortung.

Peymann fordert deshalb vom Senat, einen Sozialplan für die künftig Beschäftigungslosen zu finanzieren; von gut einer Million Euro ist die Rede.

Die Senatskanzlei hatte schon darauf hingewiesen, dass lediglich die auslaufenden Verträge nicht verlängert würden. Das findet Peymann zynisch, zumal alle älteren Schauspieler gehen und dann von Hartz IV leben müssten.

Allerdings hat er seine Schauspieler und künstlerischen Mitarbeiter selbst mit in diese Lage gebracht. Das BE war, auf Peymanns ausdrücklichen Wunsch, nie im Bühnenverein und verzichtete damit auf jeden tarifrechtlichen Schutz für die künstlerischen Mitarbeiter.

Zudem hat ihm die BE-Konstruktion als GmbH immer gefallen, es konnten so Gewinne erwirtschaftet werden, die in große Produktionen flossen. Der Betriebsrat habe nie „ultimativ“ gefordert, dass die Konstruktion geändert werde, so Peymann. Und er habe immer im „moralischen Glauben“ gehandelt, dass sich niemand „als Sau“ verhalte, so wie es nun geschehe.

Seinen Mitarbeitern hat er damit die jetzigen Nöte beschert. „Ich leiste mir diese Naivität schon immer“, sagt Peymann darauf, „möglicherweise war das ein Fehler.“ Das war es. Es bleibt ihm nichts mehr, als den Senat um finanzielle Aushilfe für einen Sozialplan und die Presse um Hilfe zu bitten.

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