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„Spatz und Engel“

Sie bereuen nichts. Jedenfalls nicht sehr

Ein starker Marlene-Dietrich-Édith-Piaf-Abend im Fritz Rémond Theater in Frankfurt.

Ein Theaterstück komprimiert die Beziehungen zwischen Figuren der Weltgeschichte gerne auf eine Kammerspiel-Intensität, die im Leben der Stars und Wichtigen kaum zu haben ist (in unserem übrigens auch nicht). Trotzdem ist „Spatz und Engel“ von Daniel Große Boymann und Thomas Kahry nicht aus der Luft gegriffen. Hinreißende Originalfotografien zeigen zwischendurch, wie eine überirdisch schöne Marlene Dietrich sich bei der Hochzeit von Édith Piaf freundlich zurückhält und doch allgegenwärtig ist. Wie beide strahlend glücklich in die Kamera lächeln, aber die eine achtet dabei immer darauf, dass sie kein Doppelkinn hat und dass man ihre Augen noch sieht, die andere lacht einfach nur. Wie sich die beiden Frauen küssen, und es ist ihnen egal, dass den Fotografen das nicht entgeht.

„Spatz und Engel“ erzählt also von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Beäugten, Berühmten, Verehrten, Bekrittelten. Marlene Dietrich, der Engel, war noch berühmter, Édith Piaf, der Spatz, wurde noch mehr bekrittelt, Sie ist unterm Strich wohl die tragischere Figur, die vor ihrem frühen Tod mit 47 Jahren über lange Zeit an ihrer Morphium- und Alkoholsucht laborierte (allerdings trank Marlene Dietrich ebenfalls, aber sie starb auch erst knapp 30 Jahre später). Hörenswert, wenn im Fritz Rémond Theater in Frankfurt jetzt Heleen Joor sich dagegen verwahrt, immer „Spatz“ genannt zu werden. Scheiße sagt sie auch. Mehr als einmal.

Mitautor Daniel Große Boymann führt selbst Regie, vermutlich wird darum auch exemplarisch sichtbar, was „Spatz und Engel“ sein will. Eine flotte Szenenfolge mit Musik (sehr schöner Livemusik), aber schon raffiniert, mit ineinander verhakten Situationen, mit einem kecken und handwerklich gut gemachten Überspringen von Zeit und Raum. Zwei Ansagen und zwei Scheinwerferkegel reichen, um die Diven gleichzeitig in verschiedenen Ecken der Welt auftreten zu lassen. Zwei umgedrehte Tischelemente (Bühne: Tom Grasshof) reichen, um Achterbahn zu fahren, und wenn man zwei Stäbe in ein Tischelement steckt, sitzt man in einem Kettenkarussell. Auch wenn bei diesen Umbauten, bei diesem kurzen Eintauchen in eine Situation, und schon dreht sich das Leben rasend weiter, noch mehr Tempo denkbar gewesen wäre, schnurrt das ziemlich fein ab.

Mit unmittelbar einleuchtenden Darstellerinnen, ohne die es allerdings nicht ginge und die sich geschickt einpassen müssen. Die Kostüme von Ulla Röhrs – Fotografien dokumentieren, dass sie einiges sorgsam nachgeschneidert hat – helfen nur, weil Joor und Susanne Rader sich ohnehin zurechtfinden. Man schaut ihnen gerne dabei zu, wie sie ihrerseits genau hingeschaut haben, um die Bewegungen zu imitieren, die Auf- und Abgänge, die Haltung beim Singen. Joor dazu mit strahlender, metallischer, glaubwürdiger Piaf-Stimme, Rader herrlich nonchalant. Nein, es ging nie darum, dass Marlene Dietrich wirklich gut singen konnte. Am Klavier begleitet Cordula Hacke (Musikalische Leitung), am Akkordeon sitzt Vassily Dück. Es braucht tatsächlich nicht mehr. Doch, es braucht allerdings definitiv noch Arzu Ermen und Steffen Wilhelm, die flink und gutmütig von Nebenrolle zu Nebenrolle spazieren.

Die gerahmte Handlung beginnt in den vierziger Jahren, 1963 stirbt Édith Piaf, Marlene Dietrich erleben wir dann noch in ihrer Matratzengruft. Es ist ein langes elegisches Ende, kein Kinderspiel. Richtig langer Beifall, respektvoll gegen die Künstlerinnen von damals und von heute.

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