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Beatrice Cordua, die Wanderin.

Hessisches Staatsballett

Beinah hätte sie das Geigespielen gelernt

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„The Wanderers Peace“, ein Solo der ehemaligen großen, unerschrockenen Tänzerin Beatrice Cordua.

Die Hamburgerin Beatrice Cordua war keine Primaballerina von niedlich-scheuer Art. Sie prägte viele Choreografien mit der Stärke ihrer Präsenz und der Wucht ihres Auftritts. Jetzt ist sie 76 Jahre alt und nennt ihr Geburtsjahr gleich zu Anfang des knapp einstündigen Solos „The Wanderers Peace“. Es wurde ihr von der Schweizerin Nicole Seiler auf den Leib geschrieben, erzählend schlendert sie darin durch ihr Leben: gerade auf Einladung des Hessischen Staatsballetts in den Kammerspielen des Darmstädter Staatstheaters, anschließend noch in Wiesbaden.

Überwiegend sitzt sie an einem Tischchen, es gibt aber auch Filmausschnitte und ein paar getanzte Vignetten. Das Thema ist ein Tänzerinnenleben auf Augenhöhe mit großen Choreografen – vor allem war Cordua lange Jahre Solistin bei John Neumeier. Nackt tanzte sie in dessen „Sacre“ und versichert, sie sei nackt immer mehr bei sich gewesen, habe sich sozusagen an ihrem eigenen Körper festhalten können.

Das Kind wollte Geige spielen, aber auch tanzen: ein Zufall, dass das Geigengeschäft geschlossen war, als sie mit ihrem Vater hinfuhr. So wurde es der Tanz. In London, Köln, Frankfurt, Winnipeg, Hamburg, bei Gustav Blank, Todd Bolender (meine Güte, war Frankfurt damals konservativ, berichtet sie), vor allem Neumeier. In dessen Schule sie nach ihrem Bühnenabschied unterrichtete.

Lebendig wird Tanzgeschichte – Kresnik, der Berserker, Pina Bausch, die genial Exaltierte –, und deutlich wird, wie Beatrice Cordua als Interpretin klassischer Rollen alles gab, wie sie sich andererseits immer elektrisieren ließ von der Avantgarde. Die Kritik zerriss ihre eigenen Choreografien, aber wenn man sie heute hört, kann man meinen, sie genoss das Wagnis.

Staatstheater Wiesbaden: 13., 14. Januar. www.hessisches-staatsballett.de

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