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So monstermäßig die Monster, dass sie manchmal selbst nicht hinsehen können.

Kindertheater

Beim Stemmen der Teddybären

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Das sind ja wirklich zwei Monster: „Zwei Monster“ als ziemlich großer Spaß in der Box des Schauspiels Frankfurt.

Sind zwar Mädchen, ja, stimmt, aber so sehr Monster, dass auch ein kleiner Junge nicht lang skeptisch bleibt, sondern wohlwollend den Bau des Monsterberges beobachtet. Auch wer es manchmal ein bisschen peinlich findet, wenn Erwachsene für Kinder Kinder spielen – wie sollte es auch anders zu machen sein –, kann sich beruhigen. Sind Monster, zweifellos, darum heißt das Stück ja „Zwei Monster“.

„Zwei Monster“ ist ein 40-Minüter in der Box des Schauspiels Frankfurt und beruht auf einem Kinderbuch von David McKee, auf Deutsch: „Du hast angefangen – Nein, du“, was die Situation ziemlich gut trifft. Gertrud Pigor hat die Bühnenfassung geschrieben, Andreas Mach inszeniert mit Eva Bühnen, Laura Teiwes und Katharina Kurschat vom Studiojahr Schauspiel. Kurschat ist die nette, verdammt nette Sonnenstimme (Kinder ab 4 sollen sich wohlfühlen, dazu dient auch die ebenfalls sehr nette Musik von Theo Krieger). Bühnen und Teiwes sind das rote und das blaue Monster und garantiert nicht nett. Auf der Bühne – mit realistischen Stofftiermassen, Martin Holzhauer – sind sie durch ihre Schlafanzüge (Martina Suchanek) gut zu unterscheiden. Es leuchtet unmittelbar ein, was dann passiert: Man wacht auf, hat gute Laune und könnte jetzt mal was spielen. Monster zum Beispiel. Kostümierungsaccessoires wurden geschickt unter die Stofftiere gemischt, auch der Berg lässt sich rasch aufrichten (Luftmatratzen, Spieldecken), und nun entwickelt sich einerseits ein zutiefst menschlicher Konflikt zwischen zwei geistig unausgelasteten Simpeln, die sich gegenseitig nicht sehen (und also alles erzählen) können. Andererseits achten Mach und die grandios ungezogenen Darstellerinnen darauf, den pädagogischen Wert nie über den Erzählspaß siegen zu lassen.

Stattdessen erlebt man die Doppelbödigkeit des Spielens. Man spielt nämlich wie irre, und dann erkundigt man sich, ob beim anderen auch alles okay ist, und dann spielt man wie irre weiter. Streit ist trotzdem unvermeidbar. Sich zu beschimpfen macht Spaß, bis es keinen Spaß mehr macht.

Denn das Spiel selbst ist natürlich grobianisch. Monster sind nicht zimperlich, verknoten Rosarote Panther und benutzen Hulks als Wurfgeschosse, trainieren knallhart mit Teddybären und lügen wie gedruckt. In der Tat haben sie das Kinderbuch zur Hand, wenn sie nicht weiterwissen. So dass klar wird, dass es auch zwei Monstern gut ansteht, beim Lesenlernen gut aufzupassen.

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