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Bei Butterkeksen steckt er fest

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Von: Sylvia Staude

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Das Oberschichtpaar, in der Mitte der Taxifahrer. Foto: Stalburg Theater
Das Oberschichtpaar, in der Mitte der Taxifahrer. Foto: Stalburg Theater © Stalburg Theater

„Der nackte Albatros“, eine Komödie über Liebe und das Schreiben von Stücken im Stalburg-Theater.

Von einem Theaterautor namens Henry W. Falk gibt es keine Spur im Internet, aber wollen wir dem Stalburg-Theater mal glauben, dass es sich um einen Engländer handelt, mit einem offenbar brandneuen Stück, denn es fällt unter anderem das Wort „Affenpocken“. Dieser Falk ringt offenbar mit seinem Autor-Sein, denn im Drei-Personen-Stück „Der nackte Albatros“ schreiben zwei Figuren Theaterstücke, Dan und Gerald, und die Frau, um die sie sich streiten, einmal sogar prügeln, ist Schauspielerin und heißt Page. Beziehungsweise war Schauspielerin, bis sie Dan heiratete, Depressionen bekam, jetzt als Trost nur noch auf äußerst kostspielige Shoppingtouren geht. Bei so vielen Einkaufstüten muss sie ein Taxi nehmen, eines Tages fährt sie ein heimlicher Komödienschreiber, der, was für ein Zufall, ein großer Bewunderer ihres Mannes ist.

Im zünftigen Saal des Stalburg-Theaters hatte nun „Der nackte Albatros“ Premiere. Das Boulevardkomödien-Wohnzimmer muss man sich auf schmalem Bühnenraum vorstellen; es gibt immerhin ein Regal, vor allem mit Alkoholika gefüllt, und ein Sofa (Bühne: Moritz Bauer).

Dan und Page, Jochen Döring und Marlene Zimmer, führen eines dieser typischen, eingespielten Ehepaar-Gespräche. Außerdem fällt Dan, dem erfolgreichen, ja schon fast berühmten Dramatiker, nichts mehr ein – nicht einmal mit stinkender „Denksocke“. Page nimmt Anstoß an der Denksocke und noch einigem mehr. Es folgt: Einkaufstour, Taxifahrer, nach ein paar Tagen wieder Taxifahrer, diesmal mit Manuskripten.

Oliver Konietzky ist als Gerald die jüngere Alternative zu Dan – dazu einstweilen noch eine frisch verliebte Alternative (er bringt Page Blumen mit, auch wenn diese Blumen in Pages und Dans Garten geklaut sind, aber schließlich zählt der Wille). Vor allem aber ist er im Gegensatz zu Dan, der Sozialdramen schreibt, der geborene Komödienautor. Und: „Ich setz mich einfach hin und schreibe.“ Dan setzt sich indessen nur noch hin – und trinkt. Sein jüngstes Stück, eben „Der nackte Albatros“, über einen unglücklichen Menschen wie ihn, ist in einer Zeile über Butterkekse steckengeblieben.

Sozialkitsch? Komödie?

Im Stück kommt es, wie es kommen muss: Page entschwindet mit dem Jüngeren, dann lässt sie auch ihn sitzen. Das wird mit erwartbaren Wendungen, aber auch hübschen Dialogen und Pointen erzählt und von Rainer Ewerrien flott inszeniert. Dazu kommt ein bisschen Ernsthaftigkeit, bei der Frage, ob es genügt, wenn man angehimmelt wird. Oder ob es verwerflich ist, für Geld zu schreiben und damit genau das, was beim Publikum gefragt ist: den „Sozialkitsch“, zu dem sich Dan bekennt, die Komödie (à la „Der nackte Albatros“?). Idealist Gerald passt sich zumindest äußerlich erschreckend schnell an sein neues Umfeld an: gegeltes Haar, smarter Anzug (Kostüme: Katja Quinkler).

Und Henry W. Falk? Wir tippen auf einen im Alter fortgeschrittenen deutschen Autor. Denn, ganz ehrlich, original britisch ist der Humor nicht.

Stalburg Theater, Frankfurt: 17., 30. September. www.stalburg.de

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