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Freies Schauspiel Ensemble

„Befreiung“ vom Freien Schauspiel: Natürliche Umgebung

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Am Sonntag beendet das Freie Schauspiel sein Online-Drama „Befreiung“.

Was zuletzt geschah: Katharina hat ihrem Mann Matthias gesagt, dass sie ein Kind erwartet, vom jungen Carl, der derzeit bei den beiden wohnt. Vielleicht war das die bisher genialste Szene: Katharina, die keineswegs vorhat, Matthias zu verlassen – Carl, na ja, es ist eben passiert, es tut ihr wahnsinnig leid –, hat sich an die Situation gewissermaßen schon gewöhnt. Matthias aber nicht, Matthias erstarrt und verliert dann allmählich die Nerven. Er probiert die neue Emotionslage sozusagen aus, schreit ein bisschen, fängt an zu weinen. Alles noch sehr neu für ihn.

Katharina schaut ihm zwangsläufig zu, ist selbst inzwischen so auf die Situation eingestellt, dass sie fast schon überrascht scheint über seine Heftigkeit. Sie bittet um Entschuldigung, freut sich auf das Kind und leugnet das nicht, wartet ab, wettert ab.

Für die Ungleichzeitigkeit der Gefühle sind die räumliche Distanz und der geteilte Bildschirm die probate Darbietungsform. Ohnehin macht das Online-Drama „Befreiung“ – vom Freien Schauspiel Ensemble Frankfurt aus der Coronakrisen-Not geboren – einen frappierend plausiblen Eindruck. Bleibt die Bühne eine Kunstform und wäre „Befreiung“ hier (dort) ein klassisches Konversationsstück, so entsteht im Video-Gespräch ein irrwitziger Hyperrealismus. Dazu gehört, dass man sich beim Video-Telefonieren selbst sehen kann, so dass das latente oder virulente Posieren beim Zuhören eine andere Natürlichkeit bekommt als im direkten Gespräch. Man spielt im Video-Telefonat eh. Für uns Bildschirmkonferierende ist das eine Irritation, als Kunstform ist es perfekt. Und übrigens der Grund dafür, dass „Befreiung“ auf Dauer eben keine niveauvolle Reality-Soap ist. Die hat wieder andere Regeln, sehr weit vom Leben entfernt. In „Befreiung“ ist man mittendrin in der gegenwärtig natürlichen Umgebung.

Dafür und für eine Handlungsgrundlage sorgen Moritz Buch (Videodesign) und Regisseur Reinhard Hinzpeter. Von da aus improvisieren und spielen sich Michaela Conrad (als Katharina), Hans-Peter Schupp (als Matthias), Niklas Fiedler (als niedlicher Carl) und Bettina Kaminski (als Matthias’ coole Schwester Lina) in ihre Rollen hinein. Theatralische Übertreibungen am Telefon, wer kennt das nicht, dazu die Stimmungsschwankungen. Die Kränkungen, die einer flugs raushaut.

Aber wie soll das enden, am Sonntagabend? Was soll an der Situation – noch komplizierter, als Sie jetzt denken – eine „Befreiung“ bringen?

Freies Schauspiel Ensemble Frankfurt: der letzte Teil So., 18 Uhr, die bisherigen vier Teile weiterhin auf Youtube. Im Anschluss an die Erstsendung am Sonntag gibt es ein Publikumsgespräch via Zoom. freiesschauspiel.de

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