Glückliche Tage
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Evelyn M. Fa  ber als Winnie im Hügel, nein, im Reifrock. Rechts mit Kreissäge: Gottfried Herbe als Willie.

Staatstheater Wiesbaden

Beckett in Wiesbaden: Winnie und Willie im Salon

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Das Staatstheater Wiesbaden startet seine Beckett-Trilogie als erste Schauspielpremiere weit und breit.

Die erste Schauspielpremiere seit drei Monaten, auch sie in Wiesbaden. Der Intendant des Staatstheaters, Uwe Eric Laufenberg, hat hier am 4. Mai mit den Proben begonnen, bevor klar war, ob eine Aufführung am Ort möglich sein würde. Angekündigt war andernfalls ein Online-Angebot, dazu die Ausstrahlung an einer Außenwand des Theaters. Eine gewisse Entschlossenheit muss dabei schon eine Rolle spielen, jetzt jedenfalls konnten Menschen im Großen Haus zusehen. Von den Konzerten der vergangenen Wochen ist das Prozedere bereits wohlvertraut.

Geplant war und kommt jetzt wohl auf zur Aufführung eine „Beckett-Trilogie“ (wegen Krankheit im Ensemble musste die Reihenfolge geändert werden), die mit Samuel Becketts „Glückliche Tage“ begann, am Freitag mit seinem „Endspiel“ fortgesetzt und am Samstag mit „Warten auf Godot“ abgeschlossen werden sollte.

Ein privates Drama

Sehr glücklich der Beginn mit den „Glücklichen Tagen“, wo das Ehepaar Evelyn M. Faber und Gottfried Herbe spielte, eine hygieneregelfreundliche, aber auch dem Stück und schließlich erst recht dem Publikum entgegenkommende Besetzung. Die klare, kühl lakonische Stimme von Faber ist seit Jahrzehnten ein Grund, hier ins Theater zu gehen, jetzt gibt sie einer großartigen, geerdeten, jugendlich wirkenden Winnie den perfekten Dreh ins Nüchterne. Sie ist nicht sentimental und keine Diva, aber gerade darum imponiert ihr Durchhaltewillen, und ihr scharfes „Na ja“ durchschneidet die Luft. Hinten lungert Herbes Willie und liest Zeitung, ein müder Zottel, der nach der Pause – ad hoc in Abendgarderobe – auf „New York. New York“ fabelhaft tanzen wird. Nicht nur durch die Konstellation ist hier weit mehr vom Ehedrama zu spüren als sonst. Das liegt am unaffektierten Spiel, aber ebenso am Verzicht auf postapokalyptische Andeutungen. In Wiesbaden wird ein privates Drama erzählt.

Rolf Glittenberg zeigt einen wie aus dem Fundus, nein, logischerweise gewiss tatsächlich aus dem Fundus zusammengesuchten bürgerlichen Salon. Willies Loch ist ein barockisierendes Sofa, Winnies Erdhügel ein gigantomanischer, etwas unbehaglich dekorierter Reifrock (Kostüme: Marianne Glittenberg). Sie kann damit vorerst noch herumrollen. Dass das die beckettsche Anordnung abmildert, ist kein Gewinn.

Nach der Pause steckt Faber nicht bis zum Hals im Hügel, sondern liegt ebenso bewegungslos im aufgestellten Krankenbett (so dass sie also steht). Ihr Monolog kommt jetzt teils aus dem Off, ein Bewusstseinsstrom. Das ist nicht nur pragmatisch, sondern wirkt auch wie eine Klarstellung von Winnies Lage, was einen nicht kalt lässt. Unverbindlich die „Rosenkavalier“-Einsprengsel.

Der Applaus sehr erheblich, vor allem für das spielende Duo, und auch insgesamt ermutigend.

Staatstheater Wiesbaden:11., 17. Juni. www.staatstheater-wiesbaden.de

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