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Blick in Katharina Wagners finstere „Tristan und Isolde“-Produktion: Stephen Gould, Petra Lang. 

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Bayreuth ist abgesagt: Weißt du, wie das wird?

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„Es ist eigentlich völlig unvorstellbar, aber jetzt ist es so“: Zur Bayreuther Festspielabsage.

Damit nicht gerechnet zu haben, lässt einen nun als Einfaltspinsel dastehen, aber man war nicht der einzige. Die Absage der Bayreuther Festspiele, die am 25. Juli begonnen hätten – in vier Monaten –, reißt den Mantel der Illusion weg, dass diese Bühnenspielzeit noch einen guten Abschluss finden könnte. Dass die meisten deutschen Theater darauf hinweisen, es gebe einen Spielbetriebsstopp bis nach Ostern, ist formal zwar weiter richtig, wirkt inzwischen jedoch melancholisch. Die Menschenmengen, die sich zumindest bei einer Musiktheaterproduktion bei den Proben und bei den Vorstellungen auf beiden Seiten und dazwischen im Orchestergraben knäueln, sprechen sozialer Distanzierung Hohn.

Wenn nicht mal das geht

Auch die Richard-Wagner-Festspiele konnten es offensichtlich nicht glauben. Noch am Dienstagmittag war davon die Rede, den Probenbeginn für den neuen „Ring“, für den 1. April terminiert, um zwei Wochen zu verschieben, wenige Stunden später dann die Absage. Gesundheit gehe vor, so die Festspielchefin Katharina Wagner, die beim Interview im Bayerischen Rundfunk wie eine robuste und unsentimentale Kämpferin der Stunde klingt.

Illusionen: So bitter nämlich ist nun eine Komplettabsage, dass unter Interessierten durchaus schon der Gedanke aufkam, ob lediglich der „Ring“ – vier Premieren, die in wenigen Wochen unter immensem Stress geprobt werden müssen – verlegt werden würde. Wiederaufnahmen, unter denen Barrie Koskys „Meistersinger“ zur Eröffnung gewesen wäre, benötigen viel weniger Vorlauf. Dass auch das nicht möglich ist, ist ernüchternd: Offenbar kann man aus Bayreuther Sicht weder die Kollektive Orchester und Chor von, sagen wir Anfang Juli an noch das Kollektiv Publikum (freilich ein extrem internationales, das zudem seine Anreise von weither organisieren muss) von Ende Juli an zusammenbringen, ohne Schaden anzurichten. Ernüchternd vor allem für den, der sich erst jetzt ernsthaft fragt, wie eigentlich die Nichtfestspielbühnen das nach Ostern lösen sollen.

An der Bayerischen Staatsoper zum Beispiel schwelt, nein flämmelt aktuell Unmut über Tanztrainings, bei denen Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten würden – so wenig wie demnach im Umfeld der „Montagskonzerte“, bei denen inzwischen ebenfalls kleine Tanznummern zu sehen sind. Dass Intendant Nikolaus Bachler im Interview von „selbsternannten Blockwarten“ sprach, kam, wie sich vorstellen lässt, auch in den anderen Kollektiven des Hauses schlecht an.

Die Salzburger Festspiele beginnen zeitgleich mit Bayreuth, selbst die vorangehenden Pfingstfestspiele sind noch nicht abgesagt. Über letztere, haben die Festspiele erklärt, solle Mitte April entschieden werden. Die Künstlerische Leiterin Cecilia Bartoli hofft offenbar noch auf ein verkleinertes Programm für den Fall eines knapperen Probenzeitraums. Eine Entscheidung über die Jubiläumsfestspiele im Sommer soll am 30. Mai fallen.

Der Bayreuther „Ring“ von Valentin Schwarz wird nun wohl um zwei Jahre verschoben werden – im nächsten Jahr, sagte Katharina Wagner dem BR, seien die Mitwirkenden bereits zu verplant, um so zeitig mit den Proben anfangen zu können. Turnusgemäß wäre es 2021 ja schon um die weniger aufwendige Wiederaufnahme gegangen. So soll es im nächsten Jahr wie geplant bei der Neuinszenierung des „Fliegenden Holländers“ bleiben.

Wird es denn 2022 auf jeden Fall mit dem „Ring“ klappen? Sie hoffe es, sie werde jetzt daran arbeiten, so Wagner. „Sie können sich den Aufwand vorstellen, der planerisch jetzt bevorsteht.“ Und sie sagte noch: „Es ist eigentlich völlig unvorstellbar, aber jetzt ist es so.“ Seit 1951, seit dem Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg, wurden die Festspiele nie abgesagt, warum auch?

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