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„Arthur und Claire“ im Rémond-Theater: Aber ein bisschen Rücksicht muss sein

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Von: Sylvia Staude

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Der letzte Tanz für Claire und Arthur? Foto: Helmut Seuffert
Der letzte Tanz für Claire und Arthur? Foto: Helmut Seuffert © Helmut Seuffert

„Arthur und Claire“: Das Remond-Theater zeigt ein heiteres Stück über das Sterben.

Würde Claire, Zimmer 122, nicht so verflixt laut Jim Morrison hören, „End Of the Night“, wäre Arthur, Zimmer 120, nicht so empört, dass er sie nicht in Ruhe lässt, ehe sie nicht die Hotelzimmertüre öffnet. Schließlich, findet Arthur, kann man selbst dann rücksichtsvoll gegenüber anderen sein, wenn man beabsichtigt, sich das Leben zu nehmen. Er hört im Anlauf auf sein geplantes Lebensende zwar nicht George Harrison („Jim Morrison“, berichtigt ihn Claire), aber seinen geliebten Ravel doch auch mit Kopfhörern. Außerdem belehrt er Claire: Das mit dem Strick funktioniert so garantiert nicht. Und sich die Pulsadern aufzuschneiden, ergibt eine unzumutbare Sauerei. Und bei der Variante Schlaftabletten vegetiert man mit einiger Wahrscheinlichkeit als Gemüse im Pflegeheim.

Ach je, es geht hier um Suizid? Aber ja, und das ohne üblen Klamauk. Im Fritz Rémond Theater in Frankfurt hat nämlich Anja Junski jetzt die Komödie (!) „Arthur und Claire“ von Stefan Vögel inszeniert, ein (fast) Zwei-Personen-Stück über Menschen, die nicht mehr leben wollen. Sicher nur wegen einer Petitesse, nimmt er – Lehrer & besserwisserisch & Pedant – sofort von ihr an. Und außerdem ist sie doch viel zu jung für einen so finalen Entschluss. Er wolle es doch nur tun, weil er im Grunde ein Feigling ist, wirft dafür sie ihm vor.

Cynthia Thurat und Stefan Schneider spielen die beiden, die sich fest vorgenommen haben zu sterben (sich aber ineinander verlieben, zuerst ein wenig, dann viel), mit einer gewissen Komödien-Nonchalance, aber durchaus auch Ernst an Stellen, wo er nötig ist. Tom Grasshof hat gediegene Hotelzimmer entworfen, draußen muss man sich Amsterdam vorstellen, die lebendige, schöne Stadt (Claire kennt sich aus), in der Arthur assistierten Suizid begehen will. Er hat Lungenkrebs in fortgeschrittenem Stadium, obwohl er nie geraucht hat und seinen Kindern stets von den Gefahren des Rauchens gepredigt. Welche Ironie. Claire muss kurz lachen. Arthur auch. Claire schlägt einen gemeinsamen Joint vor. Arthur lehnt ab, will „fit sein für morgen“ (den vereinbarten Sterbehilfe-Termin). Und muss über sich selbst grinsen.

Sie retten sich gegenseitig

Leichthändig geht Autor Stefan Vögel mit dem dunklen, auch makaberen Thema um; fast durchweg geschmackssicher dazu. Von Anfang an weiß man, dass die beiden sich gegenseitig „retten“ werden (obwohl er nur für sehr begrenzte Zeit vor dem Krebstod gerettet werden kann), aber die Dialoge haben trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit Frische und biegen auch mal unerwartet ab. Arthur und Claire fordern sich gegenseitig heraus, über ihr bisheriges Leben offen zu sprechen, über ihr bisheriges Leben nachzudenken. Man selbst verlässt das Theater dann übrigens keineswegs deprimiert.

Fritz Rémond Theater im Zoo, Frankfurt: bis 26. Juni. www.fritzremond.de

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