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Anna Netrebko und Jonas Kaufmann, auf dem Stuhl Zubin Mehta.
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Anna Netrebko und Jonas Kaufmann, auf dem Stuhl Zubin Mehta.

Salzburg

Anna Netrebko in „Tosca“: Selbstverständlich wird Gott ihr alles verzeihen

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Anna Netrebko und Jonas Kaufmann in einer konzertanten „Tosca“ zum Abschluss der Pfingstfestspiele in Salzburg.

Salzburg - Der Begriff Operntraumpaar beschreibt unzureichend, was Anna Netrebko und Jonas Kaufmann zum Abschluss der Salzburger Pfingstfestspiele als Floria Tosca und Mario Cavaradossi in Giacomo Puccinis Oper „Tosca“ leisteten. Die Reife und Größe ihrer dunkel timbrierten, in den Höhen gleichwohl leuchtenden Stimmen, seine privateste, ausgefeilteste „Und es blitzten die Sterne“-Nummer, ihr glühender, vorausschauender Ausruf „Dio mi perdona. Egli vede ch’io piango!“ (Gott verzeiht ihr, denn er sieht, dass sie weint), in dem schon im 1. Akt alles Leid liegt, von dem sie selbst noch nichts wissen kann: Das waren Überwältigungen, aber keine selbstgenügsamen Operngala-Überwältigungen – anders vielleicht als die „Victoria“-Rufe Kaufmanns, die man allerdings im Leben noch nie so stählern gehört hat.

Denn es war auch ein großer italienischer Opernabend, bei dem der ebenfalls gefeierte 85-jährige Zubin Mehta am Pult mit dem deftig kräftig aufspielenden Orchestra de Maggio Musicale Fiorentino Spitzentöne auf Wunsch über die rein musikalische Erfordernis hinaus dehnte und nach den einschlägigen Stücken die entsprechenden Pausen offiziell mitdirigierte. Damit das Publikum jubeln und trampeln konnte, während Kaufmann und Netrebko in ihrer jeweiligen existenziellen Verzweiflung stillhielten, aber sich natürlich auch unheimlich freuten über den rasenden Beifall und ihr geduldiges Stillhalten in der Verzweiflung darum auf jene Art mit einer kleinen Verbeugung verbanden, wie sie ausschließlich in der italienischen Oper möglich ist. Wobei es auch hier unmöglich ist, aber trotzdem schön. Postdramatisches Theater während einer konzertanten Aufführung, und dies ohne Emotionseinsparung.

Anna Netrebko in „Tosca“: Geniale Dramaturgie

Nein, die Überwältigung war nicht selbstgenügsam, sondern sie diente Puccinis Oper und ihrer genialen Dramaturgie. Muss man allen Ernstes noch darüber sprechen, wie genial die Dramaturgie der „Tosca“ ist, dieses Hinlaufen auf ein grauenhaftes Ende binnen weniger, auf mehreren, verschlungenen Ebenen ereignisreicher Stunden? Stunden, in denen das private Glück auf die Ungeheuerlichkeit verbrecherischer Politik prallt – eine Ungeheuerlichkeit, die an dem Wochenende, an dem ein Linienflugzeug zur Landung gezwungen wird, um einen Regimegegner festzusetzen, zugleich völlig realistisch und aus dem Repertoire der Tyrannen gegriffen erscheint? Die geniale „Tosca“-Dramaturgie braucht keine Fürsprache mehr, hoffentlich. Gewiss nicht bei denen, die am Montag in den Saal passten.

Denn all das ist in einer konzertanten Aufführung zwar offiziell nicht zu sehen. Aber im Großen Festspielhaus wurde erneut der Beweis erbracht, dass Puccini jede Volte des Geschehens und der Empfindungen auskomponiert hat und eine Bebilderung bloß doppeln kann, was bereits da ist. Außerdem wurden Schauwerte geboten, und die drei Fotografien der historischen Schauplätze als Hintergrund waren nicht die größten dabei (wiewohl so etwas die Bühnenbildkunst fies unterläuft). Rund um das Dirigentenpult war eine Art Spielfläche, die Haupt- und Nebenfiguren äußerst lebhaft nutzten, zumal für „Tosca“ niemand Noten und Text brauchte. Die Herren in gedeckten Anzügen, die Diva Netrebko als Diva Tosca in Rosa-Schwarz und zum Finale in Silber. In Seppelhosen: Cecilia Bartoli beim Cameo-Auftritt als Schäferin im 3. Akt.

Für Bryn Terfel war Luca Salsi als Scarpia eingesprungen, dessen milder Bariton die Abgründe und Gipfel des Bösen eher subtil freilegte, als es herauszudonnern. Ein überzeugender Dritter im Trio der Hauptfiguren. Auch Netrebko hatte erst vor ein paar Tagen die Partie von der verhinderten Anja Harteros übernommen. Der florentinische Chor und der Salzburger Kinderchor sangen mit Masken hinter Plexiglaswänden. Klang gut. (Judith von Sternburg)

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