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Roland S. Blezinger und Sólveig Arnarsdóttir in "Rein Gold".
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Roland S. Blezinger und Sólveig Arnarsdóttir in "Rein Gold".

Staatstheater Wiesbaden "Rein Gold"

Allgemeine Schieflage

Die Intendanz von Uwe Eric Laufenberg in Wiesbaden eröffnet mit „Rein Gold“ in einer äußerst unterhaltsamen Inszenierung von Tina Lanik.

Mental stellt es eine Überforderung dar, rundum auf einmal mit drei praktisch komplett ausgewechselten Theaterensembles, in Wiesbaden, Mainz und Darmstadt, konfrontiert zu sein. Die neuen Intendanten wollten es so.

Im rücksichtsvolleren Wochentakt stellen sie dafür die ersten Früchte ihrer Arbeit vor, an diesem Wochenende das Staatstheater Wiesbaden unter Uwe Eric Laufenberg, das damit quasi die neue Ära in der Region eröffnet.

Vor der nicht gerade ins Opernabonnenten-Standardprogramm gehörenden „Frau ohne Schatten“ am gestrigen Freitag, war am Donnerstag das nicht gerade ins Schauspielabonnenten-Standardprogramm gehörende „Rein Gold“ zu sehen.

Auch wer nie verstanden hat, warum jedem Anfang ein Zauber innewohnen soll, kann feststellen, dass jedenfalls diesem Anfang ein imposanter Wille zur Perfektion innewohnt. Die in München und Berlin aktive Regisseurin Tina Lanik und ihr Ausstatter Stefan Hageneier lassen das begehbare rosa Puppenhaus – durch das sich Wotan total überschuldet hat – am Ende einer Szene ebenso symbolisch wie eindrucksvoll die schräge Bühne herunterrutschen, Richtung Zuschauerraum.

In letzter Sekunde, als es schaurig in den Saal kippen müsste, erlischt das Licht. Als es eine Sekunde wieder hell ist, hängt das Häuschen gepflegt im Graben. Szenenapplaus.

Waldvöglein als Brünnhilde

Elfriede Jelineks auch als Buch für daheim sehr sinnvoller Text lässt einem Theater erwartungsgemäß viel Spielraum. Außer W und B, zweifellos Wotan und Brünnhilde in einem unwahrscheinlich in die Länge gezogenen dritten „Walküre“-Aufzug (nicht zu fassen, dass man ihn noch weiter in die Länge ziehen kann, als Wagner es tut, aber man kann), dürfen Gott und die Welt mitreden.

Bei Tina Lanik sind es zum Beispiel die drei Rheintöchter und ein weiteres W-und-B-Team, diesmal aber Sänger. Lanik hat großen Spaß daran, die opernhafte Seite der Situation auszureizen, so dass „Rein Gold“ auch ein gewitzter Einstieg für einen von der (Kölner) Oper herkommenden Intendanten ist.

Mit dem multifunktionalen Christian Erdt – aus dem Studio des Frankfurter Schauspiels nach Wiesbaden gekommen – am Klavier wird veritabel gesungen (musikalische Leitung: Rainer Jörissen). Wenn Wotan was sagen will, singen die anderen einfach weiter, das Nervtötende der unendlichen Melodie bekommt seinen Platz, ohne dass die Musik lächerlich gemacht würde.

Stella An, ein echtes Waldvöglein als Brünnhilde, was schon an sich toll ist, und Wolfgang Vater haben sich in karnevaleske Wagner-Kostüme geworfen. Nachher treten mit Schwelles-Köpfen auch noch Jelinek und Richard Wagner persönlich auf.

Roland S. Blezinger (klassisch einäugig) und Sólveig Arnarsdóttir (mit ausgeprägtem Akzent) als Göre sind das zivil daherkommende Pärchen W und B. Hurtig, sie mehr, er weniger, manövrieren sie durch Wortkaskaden und Kalauereien zum Kapitalismus, zum Debakel Familie.

Erdt, Janning Kahnert und Kruna Savic mischen sich flexibel in die Handlung, nein, ins überwältigende Geplapper.

Die in „Rein Gold“ besonders erforderliche Textauswahl lässt bei 110 wahrlich pausenlosen Minuten Spieldauer dem NSU-Part ordentlich Platz, auch dem rosaroten Panther für ein Thomas-Bernhardisch verbissenes Blezinger-Solo. Nicht den gelegentlich bitterbösen Ernst, aber allemal die flotte Unterhaltsamkeit des Textes lotet Lanik ganz aus.

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