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Marlene Dietrich, nein, Adriana mit dem Regisseur. Foto: Andreas Etter
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Marlene Dietrich, nein, Adriana mit dem Regisseur.

Staatstheater Mainz

„Adriana Lecouvreur“ in Mainz: Es war einmal in Hollywood

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Francesco Ciléas „Adriana Lecouvreur“ am Filmset im Staatstheater Mainz.

Wer am Vorabend – sagen wir: in Dortmund – Puccinis „Tosca“ gesehen hat, dem muss „Adriana Lecouvreur“ ein wenig matt erscheinen, dramaturgisch zudem umständlich. An „Tosca“ erinnert Adrianas Beruf, auch sie eine Künstlerin, allerdings am Schauspiel, was der Komponist Francesco Ciléa ungewöhnlich nutzt: Deklamiert Adriana, geht die Sängerin ins sprechgesangliche Melodram, ein Mittel, um Erregung oder Beiläufigkeit zu demonstrieren, das hier durch Länge und Originalität (der Gesang wird zum normalen Verständigungsmittel, das Sprechen dient dem künstlerischen Ausdruck) besonderen Effekt erzielt.

An „La Traviata“ erinnert das Ende, die zu späte Wiederkehr des Tenors. Dass Adriana nicht weiß, dass es zu spät ist – die Rivalin hat sie bereits vergiftet, das Libretto nimmt Bezug auf einen realen Kriminalfall –, führt angesichts der Lage zu läppischen Abschweifungen bezüglich des Standesunterschieds. Der Tenor ist der Prinz von Sachsen. Man zieht den Hut vor Verdis Librettisten Piave.

„Adriana Lecouvreur“ ist insofern und auch durch die Ausflüge in musikalisch sehr leichtgewichtige Bezirke ein Paradebeispiel für die insgesamt völlig zu Unrecht verächtlich behandelte italienische Nach-Verdi-Oper, enthält aber Hits, darunter Adrianas Arie „Ich bin die demütige Magd“. Wie beinhart und entsprechend verlockend für Sopranistinnen und Tenöre auf dem Zenit die beiden Hauptpartien sind, spürt man am Staatstheater Mainz: Vincenzo Costanza ist ein kraftvoller, in der Kraft auch großen Wohlklang, aber doch begrenzten Nuancenreichtum bietender Maurizio. Eine Sängerin wie Nadja Stefanoff überhaupt an den Grenzen ihrer Möglichkeiten zu erleben, ist ungewöhnlich, auch diesmal ist sie insgesamt auf der Höhe der musikalischen Ereignisse und beeindruckt erneut als imposante Erscheinung. Fabelhaft ist sie in Szene zu setzen als Diva in einem Hollywood der zwanziger Jahre: das einleuchtende Szenario, das Regisseur und Ausstatter Gianluca Falaschi gewählt hat.

Falaschi trug als Kostümbildner maßgeblich zum Erfolg von Lydia Steiers Mainzer Inszenierungen der Dusapin- und Gluck-Werke „Peréla“ und „Armide“ bei. Interessant, dass auch die Frankfurter „Adriana“ (2012) durch Modeschöpfer Christian Lacroix komplett kostümdominiert war. Vielleicht schlägt sich darin das Misstrauen gegen die dramatische Stärke des Werkes nieder.

Tatsächlich ist Falaschis Inszenierung ein großer, auf Dauer im Detail etwas statischer Augenschmaus. Aus der schönen Filmsetumgebung entwickeln sich im Grunde keine Inszenierungsideen, es ist eine gute Dekor-Entscheidung, die vor allem eben in der Gestalt der Adriana als Marlene-Dietrich- oder (in „Sunset Boulevard“) schon Norma-Desmond-artigem Star markant wird. Um sie herum ein letztlich konventionelles Operntreiben, spielfreudig dargebracht: Michael Dahmen als Regisseur Michonnet ist der stimmlich sanfte Ritter an Adrianas Seite, Sanja Anastasia als Fürstin mit tief grundiertem Mezzo ist das andere Extrem, die Frau, die mordet, wenn sie nicht bekommt, was sie will (wie gesagt: den Tenor). Stephan Bootz ist ihr nonchalanter Gatte, der die MeToo-Zeit gesellschaftlich nicht überstanden hätte.

So gut es zu Hollywood passt, dass das Orchester hinter der Bühne sitzt, so unglücklich ist das zum Teil für den Klang. Der Chor gelegentlich viel zu massiert, die Koordination für den Dirigenten Daniel Montané nicht einfach. Und der Instrumentalklang funkelt doch aus einiger Entfernung.

Staatstheater Mainz: 19. Sept., 19., 31. Oktober. www.staatstheater-mainz.com

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