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Hier gerade im Clinch: Pierrette und Louise.

Gallustheater

„Acht Frauen“ im Gallustheater: Und am Ende wird abgerechnet

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Muntere Schauspielerinnen und ein Pianist vom Theatre4You führen im Gallustheater François Ozons "Acht Frauen" auf.

Erst mit einer Anfang der nuller Jahre in die Kinos gekommenen Filmversion von François Ozon wurde das 1961 uraufgeführte Theaterstück „Huit Femmes“ des französischen Autors Robert Thomas in Deutschland bekannt: In „8 Frauen“ gingen unter anderem Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Fanny Ardant, Emmanuelle Béart, Ludivine Sagnier aufeinander los, die Crème de la Crème französischer Schauspielerinnen also. Es handelt sich um eine Krimikomödie von der Art des gerade in den Kinos erfolgreichen „Knives Out“. Wie diese bedient es lustvoll alle Klischees des traditionellen Whodunnit im Falle einer in einem Haus festgesetzten Gruppe miteinander Verwandter und möglicher Mörder: durchgeschnittenes Telefonkabel, versperrte Tür, vertauschter Schlüssel... Und wer hat das Rattengift? Und warum haben die Hunde nicht gebellt? Weil der Mörder des Hausherrn eben nicht von außen kam?

Die halbprofessionelle Frankfurter Gruppe Theatre4You um den Regisseur und Theaterpädagogen Michael Gonszar bringt nun „Acht Frauen“ im Gallustheater auf eine sparsam, aber einleuchtend bestückte Bühne (ebenfalls Gonszar): Klappstühle, Tischchen, hinter Gazevorhängen können sich die acht Akteurinnen auch mal „verstecken“. Für diese, eben keine ausgefuchsten Theaterhasen, ist es eine einleuchtende spielerische Entlastung, dass im Hintergrund kleine Schwarz-weiß-Filme (Urs Bauer) sie „draußen“ und in einem alten, herrenhausartigen Gemäuer zeigen: wie sie versuchen, das Gartentor aufzustemmen, wie sie eine Wendeltreppe rauf und runter hasten (Zimmermädchen Louise eifrig und gern mit Tablett), sich erschöpft hinsetzen. Meist stoppt der Film bei einem prägnanten, charakteristischen Gesichtsausdruck.

Im Film Ozons singt jede der acht Frauen irgendwann ein passendes Lied. Im Gallustheater sorgt ein Pianist, Andreas Sommer, für begleitende, nicht zu laute „Filmmusik“, tritt außerdem mit drei Liedern – darunter Chers „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“ – Aisling Hayes auf, die Catherine, jüngere Tochter des Mordopfers Marcel, spielt: Für ihre Liedinterpretation gibt es zu Recht Szenenapplaus.

Regisseur Gonszar hat die Darstellerinnen jeweils auf einen Typ festgelegt und sich hübsche Details einfallen lassen. Diva-artig stelzend Gaby, Charlotte Beilstein, Marcels Frau. Ihre Schwester Augustine, Charlotte Ufer, wirkt wie kurz vor dem Nervenzusammenbruch, hat aber immer ihre Pillen dabei. Die Lebedame Pierrette, Marie Fritsche, hüllt sich in Zigarettenrauch. Erstaunlich aber, dass Madame Chanel, die Köchin, mit ihr heimlich zockt – sie wirkt doch eigentlich so solide, wenn sie Karotten schält. Während Zimmermädchen Louise, Valentina Schmidt Sierra, es durchaus faustdick hinter den Ohren haben könnte. Wie war das mit dem Herrenbesuch?

Von energischer Art ist Susanne, die ältere Tochter, gespielt von Eva Breidenbach. Gerade erst kommt sie aus dem englischen Internat – aber dann stellt sich dummerweise raus, dass sie am Abend vorher auch schon im Haus war und mit ihrem Vater gesprochen hat. Aber natürlich ist sie nicht die einzige, die so manches verschweigt. Aber die Zuschauerin kann sicher sein, dass am Ende abgerechnet wird.

Gallustheater Frankfurt:18. Januar. www.gallustheater.de

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