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Der Komiker Abdelkarim aus Bielefeld. Selbstdefinition: Einwanderungsoptik. Foto: Guido Schroeder
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Der Komiker Abdelkarim aus Bielefeld. Selbstdefinition: Einwanderungsoptik.

Jahrhunderthalle

Abdelkarim in Frankfurt: Urwald, schon plausibler

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Der Komiker Abdelkarim im Frankfurter Jahrhunderthalle-Club.

Was soll schiefgehen an einem Abend unter Zuschauern, die vereinzelt T-Shirts mit der Aufschrift tragen: „THE FUTURE IS NOW 2019“ und auf Stühlen sitzen, an denen Zettel hängen: „Das Gastspiel ist gut verkauft“? Nichts wird schiefgehen, und Abdelkarim wird natürlich alles gleich noch toppen.

Abdelkarim ist, und da geht es schon los, der große Marokkaner mit dem Bart und der Glatze. Warum ist er „der Marokkaner“, wenn er 1981 in Bielefeld geboren wurde und in Duisburg lebt? Weil das, Alltagsrassismus hin, Alltagsrassismus her, nach wie vor ein griffiges Unterscheidungsmerkmal für Promis ist. Zur Entlastung aller, die sich selbst bei solcherlei ertappen, stellt sich später heraus, dass Abdelkarim, Sohn marokkanischer Einwanderer, tatsächlich keinen deutschen Pass hat. Und zwar, diesmal zum riesengroßen Ärger aller, weil ihn dieser Pass 300 Euro kosten würde. Jemand, der 1981 blond in Bielefeld geboren wurde, bekommt diesen Pass für 60 Euro. The future is now.

Abdelkarim in der Jahrhunderthalle

Im Fernsehen (Heute-Show, Anstalt, Puffpaff etc.) kommt Abdelkarim gern locker rein, zeigt mit dem Finger auf Zuschauer, ruft „Yeah!“ und „Whew!“, und genauso macht er das auch im Frankfurter Jahrhunderthalle-Club, auf einer etwas kleineren Nebenbühne der Halle. Im Nu hat er aus der ersten Reihe einen „Endgegner“ auserkoren (Alex, Vollbart, aber sowas von Vollbart). Weitere Besucher werden ihr Fett wegkriegen, und zwar vor allem, Obacht, „Kanaken“. Verzeihung.

„Sind Kanaken heute hier?“, fragt der Komiker mit den marokkanischen Eltern, und wenn sich einer meldet, denn erlaubt er: „Kannst ruhig den rechten Arm heben, das ist für dich okay.“ Einen Mann, der sich als Samoaner vorstellt, fragt er betont betont: „Wie! Gefällt! Es! Ihnen! Bei! Uns! Wann! Wollen! Sie! Wieder! Zurück!“

Abdelkarim hat es schwer einen LKW zu mieten

Zu den allerschönsten Komikgenres zählen die Auftritte von Migrantenkindern der zweiten oder dritten Generation, die sich über Ausländer lustig machen, sich selbst inbegriffen. Er sei Nafri, sagt Abdelkarim, also Araber ohne Öl. Wolle jemand seine Herkunft wissen, antworte er: Bielefeld. Und wenn die übliche Nachfrage folge (nein, wirklich, ursprünglich): „Urwald. Dann sind die Leute zufrieden.“ Urwald, schon plausibler.

Das Schlimme: So läuft’s immer noch. Das Schöne: Im Publikum kann kein Zweifel daran herrschen, dass hier alle eine sarkasmustaugliche Familie sind, obwohl kaum Terrorverdächtige, Pardon, auf den Stühlen sitzen. Gelächter, wenn der monumentale Mann in Jogginghose, Katzen-T-Shirt und Hängelederjacke beklagt: „Als Moslem hast du’s im Moment sehr schwer, einen Lkw zu mieten.“ Großes Gelächter, wenn er gesteht, der Begriff Hülsenfrüchte habe für ihn anfangs geklungen wie ein türkischer Frauenname, Koseform: Hülsen. „Hey, komm rein, Hülsen!“

Abdelkarim - guter Mann

Die Leute liegen unter den Stühlen, spätestens als Abdelkarim auf Lebensmittel zu sprechen kommt, die er lange Zeit für Tiere hielt: Kapern, Meerrettich und Schattenmorellen. Letztere mussten Fische sein, die im Verborgenen lebten, und jetzt, wo er’s sagt: Das dachten wir als Kinder doch garantiert auch alle. Insofern: Danke, guter Mann, der Abdelkarim. Das ist dieser große Deutsche mit Bart, Glatze und, Selbstdefinition: Einwanderungsoptik. Yeah. Whew.

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